ACTA

Letze Woche Mittwoch: Anwaltstermin. Ich begleite einen Kollegen, Fotograf, einige seiner Bilder wurden vom Anbieter eines Wikipedia-Mirrors geklaut. Einziger Zweck: Aufwertung der Domain, damit sie später Gewinn bringend verkauft werden kann. By the way: Einen Tag nach der Abmahnung des Anbieters (eine Firma) durch den Kollegen sind die Inhalte der Webseite, um die es geht, weg – und die Seite steht … zum Verkauf.

Egal, die Geschichte wird länger dauern, zwar hat man die gefordete Unterlassungserklärung unterzeichnet, aber die Bereitschaft, Schadenersatz zu leisten, ist offensichtlich nicht vorhanden. Daher der Gang zum Anwalt. Und ich bin zur moralischen Unterstützung dabei und will (und konnte) bei der Gelegenheit ein eigenes Problem unverbindlich kurz besprechen, dabei geht es um eine Domain, deren Freigabe mir verweigert wird.

Noch interessanter, was vorher geschah: Auf dem Weg zum Anwalt läuft das Autoradio, LORA München auf der 92.4 sendet zum Thema ACTA. ACTA ist das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, das Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen, an dem sich bekanntlich die Geister scheiden. Ich weiß nicht viel mehr darüber, als ich in den Nachrichten gehört habe – also fast nix – und versuche, mal aufzuschnappen, was da auf der 92.4 besprochen wird. So richtig will mir nicht gefallen, was ich höre, aber da wir uns gleichzeitig auch noch unterhalten, kriege ich sowieso nicht wirklich alles mit. Aber angeblich soll es wegen ACTA zukünftig nicht mehr erlaubt sein, Rezepte aus Büchern weiterzugeben (“Hühnchen aus Tofu” – was immer das ist), auch nicht mündlich. Ich halte das für Satire, aber es ist wohl ernst gemeint: Der Sprecher sagt, “ACTA greift hier schon” und “Beide haben sich strafbar gemacht”. Wegen Verbreitung von geschützten Informationen. Und so geht das weiter. Ich kann es nicht glauben.

Und schon stehen wir beim Anwalt vor der Tür. Parkplatznot gibt es in diesem Viertel offenbar nicht.

Später ist die Sendung natürlich schon vorbei, aber ich mache mir eine Notiz. Am nächsten Tag lade ich mir über meinen Mitarbeiter-Zugang den Mitschnitt der Sendung runter und höre ihn an.

Und kriege mich nicht mehr ein. Aber darüber ein anderes Mal mehr. Es sind noch Rechte zu klären.

Aber immerhin, ich könnte ja mal einen etwas ausgewogeneren und mehr an Fakten orientierten Beitrag machen, beschließe ich. Nur, leider: Zeitlich ist das kaum drin. Aber wir werden sehen, resp. hören.

Auf lucan.de übernommen 21.08.2015/ml

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