Eine Bilder-Galaxie

Nichts Geringeres als die ultimative Bilderseite sollte es werden: ausdrücklich eine Bilder-Galaxie. Also eine durch Gravitation ge­bun­dene, große Ansammlung … von Bildern. Damit das klappt mit der Gravitation, müs­sen es natürlich viele Bilder sein, sehr viele: “Wallpapers, anim. GIF’s, Fun-Bildern uvm.” Viele Bilder für eine große, dankbare Community. So ungefähr die Idee da­hin­ter.

Die ultimative Bilderseite

BilderGalaxy.de - Die ultimative Bilderseite (Werbebanner)

Anfang Juli 2010 bin ich auf die Galaxie aufmerksam geworden. Durch eine banale Text-Suche nach “udo lindenberg” bei Google:

Screenshot Google vom 13.07.2010

Screenshot Google, nachträglich angefertigt am 13.07.2010

Eine Webseite mit der URL php.bildergalaxy.de und darauf eines meiner Bilder … interessant. Das musste ich mir genauer anschauen:

Screenshot (Ausschnitt) http://php.bildergalaxy.de/01scripts/iframe.php?galpage=2&galid=220

Screenshot (Ausschnitt) von http://php.bildergalaxy.de/01scripts/iframe.php?galpage=2&galid=220

Ein Klick auf diesen kleinen Ausschnitt führte dann weiter zur Galerie Nr. 318, die 18 Bilder von Udo Lindenberg (verteilt auf 2 Seiten) enthielt:

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Screenshot http://php.bildergalaxy.de/01scripts/iframe.php?galid=318
(bearbeitet: Fremde Bilder unkenntlich gemacht)

Screenshot der ganzen Seite mit großem Bild

Nach dem Klicken auf das kleine Vorschau-Bild erscheint das Großformat

Nach einem Klick auf eines der kleinen Vorschau-Bilder erschien dann das Bild im Großformat. So wie im Beispiel hier rechts.

Auffällig an der Sache ist, dass im Bild unten rechts ein Text einkopiert war, nämlich “Lyrics-Keeper.com”. Man sieht es besser, wenn man hier das Bild anklickt.

Was das soll(te)? Eine Mutmaßung: BilderGalaxy.de könnte das Bild seinerseits von Lyrics-Keeper.com “übernommen” haben. Könnte …, wer weiß. Das ist ohnehin egal. Wie immer mein Bild in die Bilder-Galaxie geraten ist, es bleibt doch mein Bild und hatte dort nichts zu suchen (auf lyrics-keeper.com übrigens auch nicht).

BilderGalaxy.de hat sich dann als das herausgestellt, was es auch zu sein beanspruchte: Eine Verteilerstelle für Bilder. Etwas dilettantisch gemacht zwar, aber doch ziemlich “erfolgreich”.

Statt vieler: Pierce Brosnan

Statt vieler Beispiele: Pierce-Brosnan-Foto - (damals unter http://connect.in.com/pierce-brosnan/images--pierce-brosnan-1-273462466780.html)

Der Betreiber hat für sein Projekt damals eine gewisse Popularität erreicht, allerdings nicht mit eigenen Leistungen (außer dem Sammeln und Horten fremder Bilder), sondern, indem er Leistungen Anderer ausgebeutet hat.

Inzwischen – im Jahr 2014 – ist das Geschichte. Aber als die Sache im Jahr 2010 begann, war kein großer Suchaufwand notwendig, um gleich fest­stellen zu können, dass sich tat­säch­lich sehr viele Webseiten ihrerseits bei Bilder­Galaxy.de be­dient hatten und ganz treu und brav BilderGalaxy.de auch als Quelle angaben.

Das ist nun natürlich nicht in Ordnung, dass jemand hergeht und einfach so mein Bild (und viele, viele weitere Bilder Anderer) auf seine Webseite packt. Mit dem ausdrücklichen Zweck der Weiterverbreitung. Und dass der dann auch noch – da ja sonst keine Angaben zur Verfügung gestellt werden – den Dank erntet, indem seine Seite als Quelle angegeben wird, wenn diese Bilder weiter Verwendung finden. Immerhin, mein Udo-Linden­berg-Foto habe ich mit einer Quel­len­angabe “bildergalaxy.de” nicht finden müssen.

Startseite bildergaxy.de (20.07.2010)

Startseite bildergaxy.de (20.07.2010)
(bearbeitet: Username unkenntlich gemacht)

“BilderGalaxy.de – die ultimative Bilderseite. Sie wird populär, ihre Online-Reputation wächst und gedeiht”. Das habe ich hier hier Anfang 2012 geschrieben und den Artikel dann unvollendet gelassen und nicht veröffentlicht. Es ist dann anders gekommen: die Seite http://bilder­galaxy.de gibt es inzwischen nicht mehr. Die Domain wurde von einem Dritten übernommen und steht zum Verkauf. Doch mit http://bildergalaxy.eu/ gibt gab es ein Nachfolgeprojekt.

Jedenfalls, im Jahr 2010 war die Seite noch aktiv (und offensichtlich erst kurz zuvor überarbeitet worden). Es sollte klar sein, dass eine solcher Umgang mit Bildern nicht im Sinne der Urheber sein kann. Daher habe ich mich nach ein paar Tagen an den Sei­ten­be­trei­ber, einen gewissen Karsten S. aus E., gewandt und ihn per Brief auf die Situation aufmerksam gemacht, die Sach­lage erklärt, aufgefordert, das Bild zu löschen und auch dargelegt, was üblicherweise in so einem Fall passieren würde: Abmahnung mit Scha­den­er­satz­for­der­ung usw. Ich habe Letzteres auch an einem Beispiel vorgerechnet.

Ich schrieb dann aber auch: “Soweit möchte ich – eigentlich – nicht gehen und überlasse es daher Ihnen, für die bisherige Nutzung ein vernünftiges Honorar anzubieten.” In dem Fall, so schrieb ich, würde ich auf den ganzen Rest (also: formelle Abmahnung, Unterlassungserklärung, Schadenersatzforderung usw.) verzichten.

Ich habe dann noch ergänzt: “Ich bitte Sie, sich auch mit mir in Verbindung zu setzen, wenn Sie aus irgend einem Grund meinen, dass ich übers Ziel hinaus schieße – was ich mir aber nicht vorstellen kann.
Wir werden sicher zu einer beide Seiten zufrieden stellenden Lösung finden. Ich will Sie nicht ‘abzocken’, sondern ich möchte einen reellen Gegenwert für die fraglos vorliegende unrechtmäßige Nutzung meines Bildes durch Sie.
Da Sie ebenfalls selbstständig sind, gehe ich davon aus, dass Sie ohne Weiteres einsehen werden, eine bezogene Leistung auch bezahlen zu müssen.”

Das Urteil

Versäumnisurteil AG Emden, 5 C 768/10

Karsten S. hat nicht nur dieses Schrei­ben nicht beantwortet, er hat bis heute nicht ein einziges Mal auf weitere Schrei­ben bzw. E-Mails reagiert. Nicht einmal auf die Klage, die ich – ohne rechts­an­walt­liche Unterstützung – gegen ihn erhoben hatte, hat er reagiert.

Ich war selbst mit solchen Sachen noch unerfahren, habe aber dennoch – zum ersten Mal – einfach ohne die Hilfe von ver.di (Fachbereich Medien) und auch ohne Rechtsanwalt den Weg zum Gericht gesucht. Und weil Karsten S. sich nicht verteidigt hat, erhielt ich ein “Ver­säum­nis”-Urteil; insofern hatte ich “Glück”, die Sache lief kom­pli­ka­tions­los. Ansonsten hätte es etwas länger dauern können, und falls ein Gerichtstermin notwendig geworden wäre, wären noch Reise­kost­en und Ver­dienst­aus­fall, gegebenen­falls auch noch Rechts­anwalts­kosten hinzu ge­kommen.

Der von mir ge­for­der­te Betrag bezog sich übrigens auf ins­ge­samt 10 Verwendungen des Bildes auf bildergalaxy.de, die ich festgestellt hatte, und auf einen Nut­zungs­zeit­raum von 2 Jahren! Nach den oft kritisierten MFM-Sätzen, die damals aktuell waren, wäre hier mindestens das Doppelte (bzw. ganz knapp darunter) zu fordern gewesen.

Karsten S. war das alles egal, und er löschte auch nicht das Bild. Das tat er erst, nachdem ich deswegen eine Einstweilige Verfügung erwirkt hatte und er sich einer Straf­an­droh­ung ausgesetzt sah, wenn er das Bild nun nicht doch löschen würde. Später war auch noch ein Anwalt zu beauftragen, denn Karten S. hat die ausdrückliche Aner­kennung der einstweiligen Regelung verweigert. Und so war die Angelegenheit ein rechtes Vergnügen für mich geworden, denn ich musste den ganzen Spaß bezahlen.

Warum hat er sich nicht gekümmert, nie reagiert, nicht gezahlt? Die Antwort ist einfach: er war insolvent. Auf einer seiner Webseiten war die Rede von einer selbst­ständi­gen Tätigkeit (Trockenbau, Dachreinigung, Entrümpelungen und andere Dienstleistungen, zusammengefasst: “Handwerksarbeiten rund ums Haus”). Alles sah ganz normal aus. Auf den Gedanken, einmal im Justizportal In­sol­venz­be­kannt­mach­ungen nach­zuschauen bin ich nicht gekommen. Ich hätte dort wohl auch kaum etwas feststellen können.
Nun, von der Insolvenz habe ich erst viel später erfahren. Für mich war Karsten S. fürs Erste einfach nur jemand, der meine Schrei­ben, mich und mein Anliegen total ignoriert hat.

Inzwischen liegt der offene Betrag bereits im vierstelligen Bereich. Und, da die Forderung erst während der Insolvenz entstanden ist, wird sie von einer eventuellen Restschuldbefreiung nicht werden. In diese unerfreuliche Situation hat sich Karsten S. gebracht. Und mich auch.

Was ist daraus zu lernen?

Als Abgemahnter sollte man auf Abmahnungen oder Schreiben wie das meine reagieren. Auch und insbesondere, wenn man bereits in einer Insolvenz ist. Nur, wenn man reagiert, kann man sich mit dem Urheber irgendwie einigen. Nur wenn man seine Situation schildert, kann man auf (weiteres) Entgegenkommen hoffen. Den Kopf in den Sand zu stecken hilft nicht, auch wenn das vielleicht (besonders am Anfang einer Insolvenz) menschlich verständlich ist. Der Urheber kann es nicht wissen und er kann auch nichts dafür. Er verfolgt sein berechtigtes Anliegen. Das Bild zu löschen und ein paar Zeilen zur finanziellen Situtation zu schreiben, damit hätte die Sache erledigt sein können.

Was soll man also tun?`Ein Urheber, der auf ein schweigendes Gegenüber trifft, muss vorsichtig agieren, weil er sonst auf recht hohen Kosten sitzen bleiben kann. Gerade dann, wenn man nur gelegentlich zu den “scharfen” Waffen wie Abmahnung und dem Gang zum Gericht greift, und wenn man nur wenig Erfahrungen mit säumigen Schuldnern hat, denkt man nicht an die un­ter­schied­lichen Gründe, die vorliegen kön­nen, wenn ein abgemahnter Bildnutzer nicht reagiert.
Er kann Tipps aus dem Internet falsch verstanden haben, er kann denken “leck’ mich doch, Du Abmahner!“. Nur leider: er kann aber auch einfach insolvent und vielleicht zu deprimiert sein, um sich adäquat um finanzielle Angelegenheiten und lästige Abmahnungen zu kümmern.

Im konkreten Fall hätte eine E-Mail oder ein Brief von Karsten S. ausgereicht, eine Kommunikation in Gang zu bringen, mit der eine Lösung des Problems hätte erreicht werden können. Selbst jetzt – vor mehr als zwei Monaten – habe ich noch einmal schriftlich um einen Vorschlag zu einer einvernehmlichen Lösung – bis Ende 2014 – gebeten. Ich kann kein Mitleid empfinden mit einem Geschäftsmann, der sich auf diese Weise mit Material Anderer bereichern will und – wenn’s schief geht -, sich weder kümmert noch erklärt, sondern die Dinge einfach laufen lässt.

Den bisher nicht veröffentlichten, unfertigen Artikel habe ich heute ergänzt, überarbeitet und veröffentlicht (14.09.2014/ml)
Auf lucan.de übernommen und noch einmal leicht überarbeitet (21.08.2015/ml)

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