Was ist ein “deep link”?

In diesen Tagen habe ich mich gefragt, ob eigentlich klar definiert ist, was ein “deep link” ist.

Und das kam so – wie immer hole ich recht weit aus: Vor 14 Tagen, am 4. Dezember 2011 – ein Sonntag – hatte ich wieder mal eines meiner Bilder auf einer Webseite gefunden, genauer gesagt, in einem Forum.

Ein Forum, das sich in der Hauptsache Themen wie Wirtschaftsgeschichte und Geldtheorie widmet und besonders auch dem so genanntem Debitismus.
In diesem Forum gibt es seit ca. 2 Jahren einen mehr oder weniger täglich individuell erstellten Nachrichtenüberblick, für den sich eine treue Seele den Tort antut, aus der Flut des immer wieder Neuen auszuwählen, entsprechende Links zu Medien im Internet zusammenzustellen sowie gelegentlich auch kurz daraus zusammenfassend zu zitieren. Und jeder Link zu einer Nachricht erhält nach Möglichkeit auch noch ein Bild, damit das Ganze auch nach etwas aussieht.

Im Nachrichtenüberblick vom 30.11.2011 (genauer gesagt: in dessen Fortsetzung, an dem Tag gab es nämlich besonders viele Nachrichten) fand sich nun auch eines meiner Bilder, nämlich ein Ausschnitt aus dem hier folgenden Foto:

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28. Januar 2010: Staatsministerin Christine Haderthauer mit dem Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung Dr. phil. h. c. Hans Zehetmair während der Fachtagung 'Integration im Dialog' Foto: © Michael Lucan

Wie gesagt, ein Ausschnitt aus diesem Bild fand sich dann in dem Nachrichtenüberlick, und das sah so aus:

Screenshot (Ausschnitt) der BildnutzungScreenshot (Ausschnitt) vom 04.12.2011

In diesem Artikel soll es um “deep links” gehen, deshalb schreibe ich hier nichts über, sagen wir: den Grad dieser Urheberrechtsverletzung – bzw. warum und wie man darauf angemessen reagieren kann. Wie ich das sehe und in welchen Abstufungen ich gegebenenfalls vorgehe, darüber bei Gelegenheit an anderem Ort mehr.

Um nun endlich zum Thema zu kommen: Jedenfalls erhielt die oben vom mir “treue Seele” genannte Dame von mir eine Abmahnung, mit einer mehr als moderaten Rechnung (Endbetrag 64,20 EUR, falls es jemanden interessiert) und – natürlich – neben der nachdrücklichen Bitte, diese Bildnutzung zu unterlassen auch mit der Aufforderung, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben.

Nun, nach Erhalt meines Schreibens meldete sich die Dame, die den Nachrichtenüblick veranstaltet, per E-Mail bei mir, bestätigte die Bildnutzung und beschied mich:

“Und dazu verweise ich auf das BGH-Urteil vom 17. Juli 2003, das das Setzen von so genannten ‘deep links’ ausdrücklich erlaubt”.

Und dann folgte ein Link zu dem genannten Urteil auf dem Webspace des BGH: Urteil des BGH, I. Zivilsenat, vom 17.07.2003, Az.: I ZR 259/00 und ein Zitat aus dem Urteil.

Und da sie, so die gute Nachrichten-Fee weiter, für mich keine Werbung machen wolle, auch nicht “sehr indirekt”, habe sie das Bild aus ihrem Beitrag gelöscht. Genau das hatte ich ja erbeten; allerdings erstaunte mich schon die Klassifizierung einer von der Bildlizenz vorgegebenen Pflicht zur Autorennennung als “Werbung”.

Es ging noch mal hin und her, ich machte sie darauf aufmerksam, dass das BGH-Urteil nicht auf den hier vorliegenden Fall der Bildnutzung in dem Nachrichtenüberblick anzuwenden sei, Sie blieb bei ihrer Meinung: “Das Urteil ist aus meiner Sicht eindeutig”, schrieb sie in einer weiteren E-Mail und beendete diese mit den Worten:

“Letztendlich profitieren ja die verlinkten Seiten ebenfalls, wenn die Leser den Beitrag aufrufen. Sie arbeiten selbst bei Wikipedia, um die Leser zu informieren. Ebenfalls gemeinnützig wie ich. Deshalb verstehe ich nicht, wie man so kleinlich sein kann und dieses Problem so aufbauschen muss”.

Was heißt das?

Meine gute Fee ist ganz offensichtlich der Ansicht, dass sie mein Bild sehr wohl benutzen darf. Der BGH erlaubt ihr dies, das bringt sie klar zum Ausdruck und dazu verweist sie auf das Urteil.
Leider setzt sie sich ansonsten mit keiner Silbe mit meiner Argumentation in der Anmahnung auseinander. Klar – was ich schreibe, ist unbeachtlich, denn der BGH hat ja entschieden: “deep links” sind erlaubt.
Und zwar “eindeutig”: erlaubt! Denn, so steht es ja im BGH-Urteil (und so hatte sie es auch in ihrer E-Mail zitiert und vorgehalten):

“Wird ein Hyperlink zu einer Datei auf einer fremden Webseite mit einem urheberrechtlich geschützten Werk gesetzt, wird dadurch nicht in das Vervielfältigungsrecht an diesem Werk eingegriffen.”

Immerhin, es wird klar, dass es um ein “urheberrechtlich geschütztes Werk” geht, und um dessen Nutzung. Soviel gesteht die Dame also zu. Die Meinungen gehen lediglich darüber auseinander, ob eine Berechtigung dazu vorgelegen hat oder nicht.

Ist die hier vorgenommene Nutzung ein “deep link”?

Madame hat hier eine Grundsatzfrage aufgeworfen, deren Tragweite aber nicht recht erkannt. Wenn tatsächlich ein “deep link” vorliegt, dann ist ja alles in Ordnung, nur: was ist, wenn dies gar nicht der Fall sein sollte?

Glaubt man dem BGH-Urteil, dann ist ein “deep link” offenbar ein “Hyperlink zu einer Datei auf einer fremden Webseite”. Das ist auch tatsächlich so, liest man beispielsweise im Wikipedia-Artikel zu “Deep Links”. Es handelt sich um einen Link, der nicht etwa auf die Startseite einer Webseite “springt”, sondern ganz unmittelbar auf eine bestimmte Datei, einen bestimmten Artikel und/oder ein Verzeichnis. So sagt Wikipedia. “Zu einer Datei auf einer fremden Webseite mit einem urheberrechtlich geschützten Werk” sagt der BGH.

Nun, und was ist eigentlich ein “Link”, was ein “Hyperlink”? Schauen wir auch hier bei Wikipedia nach, und zwar im Artikel “Hyperlink”, demnach ist ein Hyperlink (kurz: Link) ein …

“… Querverweis in einem Hypertext, der funktional einen Sprung an eine andere Stelle innerhalb desselben oder zu einem anderen elektronischen Dokument ausführt. Wird der Hyperlink ausgeführt, wird automatisch das in dem Hyperlink angegebene Ziel aufgerufen.”
Zitiert aus http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink, Version vom 8. November 2011 (17:45 Uhr). Der Text ist unter der Lizenz “CC-Attribution/Share Alike” verfügbar. Eine Autorenliste ist im Artikel erreichbar.

Ich versuche mal, dass in meinen Worten und hoffentlich allgemein verständlich wiederzugeben: Ein Hyperlink ist ein Link, und das ist ein Querverweis in einer Webseite (hier “Hypertext” genannt). Wenn man auf den Link klickt (ihn “ausführt”), dann passiert folgendes: Entweder man springt auf eine andere Stelle der Seite, auf der man gerade ist, oder man springt auf eine andere Seite/ein anderes Ziel.

Demnach ist das hier ein Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Zehetmair, und weil er nicht auf die Startseite “springt”, ist es zugleich auch ein ‘deep link’.

Und dies ist auch ein Link: http://de.wikipedia.org, ein ‘Surface Link’ übrigens, so wird das bei Wikipedia genannt. Ein Link, der auf die Startseite eines Internetangebots “springt”.

Auch dies ist ein “deep link”, wie er vom BGH erlaubt ist: Bild von Hans Zehtemair, oder 5 schicke Unternehmerinnen, oder 5 wilde Buam.

Kein “deep link” allerdings ist die Einbindung des Bildes im oben abgebildeten (gelben) Beispiel, sondern dies ist ein sogenannter “inline link”. Und hier bei Wikipedia ist auch ganz gut erklärt, was so einen “inline-link” ausmacht.


Links

Tour de Link, Anmerkungen zum Link-Recht mit technischen Erläuterungen und Definitionen sowie kommentierten Entscheidungen deutscher und österreichischer Gerichte, auch zu strafrechtlichen Auswirkungen – und vielen weiterführenden Links. Auf der Seite Internet & Recht von Dr. Franz Schmidbauer.

Definition Deep Link im Blog Deeplink – Weboptimierung und mehr der WVV Weber Verwaltungs GmbH

Thomas Stadler, Rechtsanwalt in der Kanzlei Alavi Frösner Stadler, referiert über Die Zulässigkeit sog. Deep-Links – Eine Anmerkung zur Paperboy-Entscheidung des BGH auf http://www.jurpc.de, der Internet-Zeitung für Rechtsinformatik und Informationsrecht.

In http://www.bilderklau.lucan.de importiert aus erstem Versuch dieses Blogs (Testversion) am 09.04.2012, 21:02 Uhr – Änderungen: Text leicht überarbeitet
Auf lucan.de übernommen 21.08.2015/ml

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