Unsympath mahnt ab

Man ist schnell ein Umsymphat. Es reicht schon, eine selbsternannte Nachrichtenredakteurin auf ihre urheberrechtswidrige Bildnutzung hinzuweisen, um Unterlassung nachzusuchen und eine symbolische Schadenersatzforderung zu stellen.

“Was gebietet der Anstand?”, diese Frage hört sich durchaus spießig an. Diese Formulierung habe ich aber dennoch bewußt gewählt, weil mich am Freitag-Vormittag jemand angerufen hat, um sich persönlich für eine von mir abgemahnte urheberrechtswidrige Bildnutzung zu entschuldigen. Das sei, so formulierte er, “eine Sache des Anstands”.

Ich habe ein weiches Herz, und wenn jemand sich die Mühe macht, mich anzurufen (mich dann auch noch erreicht, was nicht immer einfach ist), dann ist – jedenfalls, wenn mir dann kein Schmarrn aufgetischt wird – damit meine Seele besänftigt.

So habe ich dann auch meine Forderung (die in diesem Fall durchaus nicht symbolisch war – es war eine zweifache Bildnutzung über einen Zeitraum von etwas mehr als 2 Jahren) hier ganz deutlich vermindert, und zwar noch deutlich unter das Zahlungsangebot des freundlichen Anrufers.

Dieser hatte übrigens bereits vorher die von mir mit der Abmahnung angeforderte strafbewehrte Unterlassungserklärung übersandt – und dies ist, auch wenn das manch Abgemahntem nicht einleuchten mag, der wichtigere Teil dessen, was nach einer Urheberrechtsverletzung zu fordern ist.

Und weil das in dem Fall, den ich hier schildern möchte, ganz anders gelaufen ist – besonders, was den Unterlassungsanspruch angeht -, ist auch das Ergebnis für die Dame, die mein Bild benutzt hat, anders ausgegangen. Und zwar: mit einem blauen Auge.

Die Fakten: Anfang Dezember bemerke ich mein Bild in einem Forum. Eine in dem Forum sehr aktive Dame stellt mehr oder weniger täglich einen Nachrichtenüberblick zusammen, ergänzt durch Bilder und gelegentlich auch durch Informationen aus der allgemein bekannten Enzyklopädie Wikipedia.

Ganz so, wie es hier in dem Gelben Forum gemacht wird.

In einem Nachrichtenüberblick fand ich eines meiner Fotos. Eines der Fotos, die ich bei Wikimedia Commons unter einer CC-BY-3.0 (und zugleich GDFL 1.2) zur Verfügung gestellt hatte.

Beide Lizenzen, nur der Vollständigkeit halber, haben den Sinn, einerseits die Nutzung der lizenzierten Werke zu ermöglichen und andererseits dem Urheber des Werkes die Anerkennung zukommen zu lassen, als Autor des Werkes genannt zu werden. Daher sind die Lizenzbedingungen entsprechend formuliert und geben verbindlich vor, dass eine Nutzung ohne Einhaltung der Lizenzbedingungen nicht zulässig ist und zum Verlust sämtlicher Rechte aus der jeweiligen Lizenz führt.  Zu den Lizenzbedinungen gehört jeweils auch, dass die Lizenz als solche genannt werden muss.

Eine korrekte Verwendung des Bildes würde also etwa so aussehen:

Hans Zehetmair, Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-3.0 (URL: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode)

Um dieses Foto also, auf dem Hans Zehetmair (Vorsitzender des Hanns-Seidel-Stiftung) abgebildet ist, hat es sich gehandelt (auf das Bild habe ich einen Link auf die Bildbeschreibungsseite bei Wikimedia Commons gelegt).

Und das Bild war in dem Nachrichtenüberlick abgebildet, ohne die Lizenz anzugeben und ohne meinen Namen als Bildautor zu nennen.

Das dies für mich wichtig ist, ergibt sich ja schon daraus, dass ich mir die Mühe mache, diesen Text zu verfassen. Aber warum? Warum ist es so wichtig, die Lizenz und den Namen des Fotografen anzugeben?

Ich mache es mir jetzt nicht so einfach, zu sagen: Weil es in der Lizenz steht. Das ist zwar richtig, aber damit ist ja noch nichts zu den Gründen an sich gesagt.

Ich stelle hier mal zusammen, was mir dazu einfällt:

  1. Es ist ein Gebot der Höflichkeit, dass man, wenn man schon eine Fremd-Leistung in Anspruch nimmt, mindestens denjenigen nennt, dem man die Leistung – in diesem Fall das Foto – zu verdanken hat.
  2. Die Lizenz ist zu nennen, damit jedem Besucher zweifelsfrei klar ist, dass es sich um ein Werk – hier das Foto – handelt, dass weiterbenutzt werden kann (und soll!) und unter welchen Bedinungen das geschehen kann.
    Fehlt der Lizenzhinweis, wird dies keinem Seitenbesucher bekannt. Es ist aber gerade der Sinn der Veröffentlichung unter den genannten Lizenzen, dass das Bild (unter Einhaltung der Bedinungen Lizenz- und Autorennennung) weiter verbreitet wird. Eine Nutzung ohne Nennung der Lizenz ist dann quasi Endstation der zulässigen Weiterverbreitung, denn gerade die Möglichkeit hierzu wird den Seitenbesuchern verschwiegen. Genau dass, was der Bildautor erreichen wollte, wird hier durch eine lizenzwidrige Nutzung verhindert, ja abgewürgt. Jedenfalls ein rechtstreuer Seitenbesucher wird dies Bild nicht weiterverwenden.
    In welcher unerfreulichen rechtlichen Situation bezüglich einer Weiternutzung sich derjenige wiederfände, der dies trotzdem täte, will ich hier nicht diskutieren.

Es ist also im Wesentlichen das, was man vielleicht Online-Reputation nennen könnte, was sich ein Fotograf verspricht, jedenfalls aber ich, wenn er sich entscheidet, einen Teil seiner Bilder im Rahmen der Online-Enzyklopädie Wikipedia – in meinem Fall stets bei Wikimedia Commons – unter einer (oder mehreren der dort zugelassenen Lizenzen) zu veröffentlichen.

Damit wird sozusagen jedermann eine allgemeine Nutzungslizenz eingeräumt.

[18.02.2012: Soweit der erste Teil, hier geht’s (irgendwann) weiter.]

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