5 Jahre LORA-Förderverein (Forum Aktuell, 02.07.1995)

Jingle Forum Aktuell

Guten Abend in der Sendung „Forum Aktuell“ bei LORA München. Am Mikrofon heute Abend: Michael Lucan.

Das Thema heute Abend ist der LORA-Förderverein. Der hat nämlich heute Geburtstag. Vor genau 5 Jahren, am 2. Juli 1990, wurde er gegründet. Das ist also heute das Thema im Forum Aktuell, und darüber – aber nicht nur darüber – sprechen heute Abend einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Doch zunächst ein kleiner Sprung in die Vergangenheit. Mit einem Ausschnitt aus einer Demo-Cassette, die wir vor ein paar Jahren an einem LORA-Stand auf dem Tollwood-Festival präsentiert haben:

Demo-Cassette „Kann das Radio Sünde sein“ (Kurzfassung)

Autorin: Susanne Amtsberg

Sprecher: Gisela Wolf, Harald Bischoff

Technik: Michael Lucan

Stellen Sie sich vor, Sie sind irgendwo in München. Es ist – sagen wir – 12 Uhr Mittags. Und Sie wollen lieber „sündigen mal“, als ohne Radio sein.

  • Musikakzent 1
  • Für Leute, die ihre Ohren noch zum Zuhören gebrauchen wollen: LORA München.

  • Musikakzent 2 „Haindling“
  • Für Münchnerinnen und Nicht-Münchner, die sich auch durch interessante lokale Berichte nicht verdrießen lassen: LORA München.

  • Musikakzent 3 „Jablkon / Baba Aga“
  • Für Zeitgenossen und sonstige Genossen, die Unterhaltung nicht mit Dampfplauderei verwechseln: LORA München.

  • Musikakzent 4 „türkisch“
  • Für AusländerInnen und Inländer die gegen Sprachlosigkeit kämpfen: LORA München.

  • Musikazent 5 „Jaques Brel“
  • Für Organisationen und Initiativen, die über ihre Arbeit berichten wollen: LORA München.

  • Musikakzent 6 „Jazz“
  • Für Minderheiten, die den Mehrheiten nicht alles überlassen.

    Kurz: LORA München.

    Gespräch mit Eckard Thiel

    Tja, jetzt sitzt neben mir der Eckard. Eckard Thiel. Grüß‘ Dich.

    Hallo hallo.

    Eckard, du bist ein LORA-Urvieh, darf ich ja sicher mal so sagen, und also schon seit Anfang an bei LORA dabei, nicht wahr?

    Ja, kann man sagen.

    Was ist deine Funktion bei LORA ganz grob gesagt?

    Ja, ich bin einmal Geschäftsführer, einer der zwei Geschäftsführer. Zum andern bin ich verantwortlich für die Stunde „LORA International“.

    Das ist Montags immer …

    Das ist Montags von 19 bis 20 Uhr und ansonsten mach‘ ich viele Sachen, die mich eigentlich gar nichts angehen.

    Kannst Du uns vielleicht ’n paar Sachen sagen, wie das mit LORA so angefangen hat?

    Ja, also: Die Zeit, vielleicht muss man die mal in Erinnerung rufen, das war die Zeit der Blockaden, die Zeit der Friedensbewegung. Dort wurde gegen die Pershing blockiert und man wurde weggetragen usw. Also, aus diesen Zusammenhängen und aus einer Haidhauser Friedensgruppe hat sich das gebildet. Und da kam das Thema auf: „Öffentlichkeitsarbeit“ und solche Geschichten. Und zur gleichen Zeit war schon in den Medien bekannt geworden, es gibt die Möglichkeit des privaten Rundfunks. Obwohl es damals noch nicht soweit war.

    Es gab auch gleichzeitig – das muss man vielleicht auch an der Stellen sagen – dann so Erwägungen, auch mal schwarz zu senden, aber das wurde denn doch ad acta gelegt. Schwarz senden deshalb, weil Freiburg ja da quasi Vorreiter war.

    Ja, … Radio Dreyeckland?

    Radio Dreyeckland, ja genau. Die waren insofern Vorreiter, dass die im Grunde genommen im Schatten oder im Laufe der Anti-Atom-Bewegung gegen das Kernkraftwerk Whyl sich gebildet haben und von daher hatten die auch schon diverse Schwarzsendungen. Und die sendeten damals auch schwarz, ich glaube aus Frankreich heraus – oder herüber.

    Aber das haben wir dann sehr bald verworfen. Nämlich in dem Moment, wo wir dann auch mal Kontakt aufgenommen hatten mit den Freiburgern, die dann ihre Verhältnisse auch legalisieren wollten. Und das war dann auch unsere Strategie dann eigentlich.

    Wann war das ungefähr?

    Das muss ’83/’84 müssten die ersten Anfänge gewesen sein, bis wir uns dann hier im Viertel mal zu so einer größeren Versammlung getroffen haben. Da waren 40 Leute da. Und – ja: Jubel, Trubel – und das fanden die alle ganz toll. Und es zeichnete sich schon damals ab: so leicht chaotische Elemente. Ich war mal 14 Tage weg, und dann gab’s Pläne, ein Café zu machen und eine Jugendbetreuungsstätte. Also alles Dinge, vom Radio, das war noch ’n ganz kleines Nebenprojekt, das vor lauter anderen wichtigen Sachen, die die Leute da alle machen wollten und das mussten wir dann erst mal wieder auf den Boden der Realitäten bringen. Und dann haben wir den Antrag gestellt – ja – und sind beim ersten Mal abgelehnt worden. Also, wir haben eigene Fehler gemacht, auf der andern Seite war die erste Ablehnung natürlich auch ’ne politische Sache.

    LORA ist also sozusagen ein Kind der Friedensbewegung – mit ein Kind der Friedensbewegung, aber sicher auch noch von andern. Spürt man das noch? Im Programm von LORA oder in den Ansprüchen oder bei den Leuten, die das Programm machen? Ist da noch was von übrig?

    Ja, sagen wir mal so: Die Programmstruktur und das Konzept ist schon noch übrig geblieben und das ist auch – würd‘ ich mal sagen – unverändert und das halt‘ ich nach wie vor für richtig. Was sich geändert hat, sind natürlich die Leute. Es sind 10 Jahre vergangen und quasi eine neue Generation kommt jetzt dazu. Und die hat, was die Realität zeigt, andere Intentionen. Die wollen Radio machen, „Fun haben“ und was weiß ich nicht alles.

    Wenn wir jetzt zurückblicken auf die Zeit damals, ihr hattet ja – also, auch Vorstellungen, was das werden soll für’n Radio, wer da senden darf, was gesendet wird. Ist das so geworden, wie ihr euch das vorgestellt habt? Besser, schlechter, anders?

    Das ist schwierig zu sagen. Einerseits – würd‘ ich sagen – vom Programm und vom Konzept haben wir das erreicht. Was wir uns damals nicht vorgestellt haben: Das Radio mit soviel Arbeit verbunden ist. Und wir haben uns vor allen Dingen überlegt: Wir treten das mal los, das Teil, und dann trägt sich das automatisch. Und dem ist nicht so. Also, man muss immer dahinter her sein und jeden Tag und es geht nichts automatisch. Alles muss angeschoben werden und so weiter. Also, dass haben wir anders eingeschätzt.

    Und politisch, würd‘ ich mal sagen -, wir haben vielleicht das überschätzt. Obwohl wir damals schon wussten, wir werden höchstens für – was weiss ich – 10 Tausend Leute senden – 10/15 Tausend war so im Gespräch. Und jetzt die Analysen sagen: von 4 bis 8 Tausend. Und das ist eigentlich für München nicht mal so schlecht. Und ich würd sagen, es lohnt sich immer noch, auch für die 4 und 8 Tausend. Es lohnt sich auch für weniger, muss ich dazu sagen. Aber das Medium hat man vielleicht überschätzt und auch die Einflussmöglichkeiten.

    Nun gibt es ja doch aus Amerika – und in Deutschland ja nun auch schon – diese Tendenz, dass also das Radio ein, einen höheren Zustrom hat. Also sogar das Fernsehen, sogar diesen Simpson-Prozess nicht übertrifft, aber doch eine Konkurrenz auch gibt. Ist das vielleicht auch ’ne Sache, dass das Radio doch irgendwo auch in dieser Zeit doch wieder ….

    Ja, also, ich glaube, es hat sich in den letzten 10 Jahren einiges verändert in Richtung auf Verrohung der Sitten. Also auch in Verrohung der Hör- und Sehgebräuche. Also, in Richtung auf Verflachung. Und das hat einige Leute dazu bewegt, überhaupt nicht mehr fern zu sehen, auch nicht mehr Radio zu hören. Was man nachvollziehen kann. Und die Leute sind – auch für uns – teilweise verloren. Wir können sie garnicht zurückgewinnen, weil sie – wie gesagt – sich das abgewöhnt haben. Und die große Masse hört Radio – was weiss ich – nebenher als Musikkulisse. Also, da hat sich einiges getan. Und eine Radio-„Kultur“ gilt es quasi auch für uns erst mal wieder zu installieren, auf zu bauen, muss gezogen werden.

    Also auch, dass Radio machen Spaß machen kann, zum Beispiel. Oder das Hörspiele oder anspruchsvolle Sachen … da ist leider etwas ab gebröckelt, was schwer zu reparieren ist, fürchte ich. Das eben Hörspiele nicht mehr gehört werden, dass anspruchsvolle Sachen einfach nicht mehr verfolgt werden – Diskussion. Also, die Tendenz, weniger Wort zu hören, ist … damit müssen wir uns auseinandersetzen.

    Gut, dann kommt Musik. Alles klar, danke Eckard.

    (lacht)

    Musik: No Mercy / Luxus (2:21)

    Gespräch mit Daryoush Nodehi

    LORA München auf der 92,4. Hier ist die Sendung Forum Aktuell und heute geht es um den LORA-Förderverein, der ist nämlich genau vor 5 Jahren gegründet worden. LORA ist schon viel älter, senden tun wir aber noch nicht so lang. Und um das Ganze noch weiter zu besprechen sitzt jetzt neben mir der Daryoush. Daryoush Nodehi. Grüß‘ dich.

    Hallo, Michael.

    Daryoush, Du bist Vorstandvorsitzender des LORA-Fördervereins. Was machst Du noch sonst bei LORA?

    Ich bin Magazin-Koordinator, ich mache für die persische Redaktion was.

    Also, du bist der Vorsitzende des Vorstandes. Dann weißt du sicher uns genau zu erklären, was die Aufgaben des Fördervereins sind, warum es ihn überhaupt gibt oder was der Zweck ist.

    Der Verein wurde gegründet, um Laien und kulturschaffenden Menschen hier zu ermöglichen, die privat genützten Frequenzen mit zu gestalten. Das heißt: Gruppen, Initiativen, Bürger können hier diese Frequenzen nutzen und Programme mit gestalten.

    Ja. Und was hat der Verein damit zu tun?

    Der Verein fördert diesen Prozess.

    Mmh. Wie macht er das?

    Das heißt: wir bilden – also vom Verein aus – wir ermöglichen durch das Anbieten von verschiedenen Kursen, Ausbildung, Sprecherausbildung, Technikerausbildung, Ausbildung in der redaktionellen Arbeit usw.

    Mmh. Der Verein macht das ja nicht nur weil’s Spaß macht, Radio zu machen, sondern will ja auch was erreichen. Was sind denn diese Ziele, die’s da zu erreichen gilt?

    Meinungsvielfalt, kulturelle Vielfalt zu ermöglichen, das heißt, wir werden verschiedenen Gruppen, verschiedenen Initiativen, verschiedenen Selbsthilfegruppen hier ermöglichen, das Radio zu machen.

    Du sprichst jetzt immer von Gruppen, aber es gibt ja manchmal auch Leute, die einfach so …

    Auch Einzelpersonen.

    Auch Einzelpersonen. Weil wir jetzt hier ja auch vom Verein sprechen. Müssen die dann irgendwas zahlen, oder müssen sie Mitglied sein im Verein, wenn sie zum Beispiel in diesen Seminaren oder Kursen, von denen du gesprochen hast, wenn die da teilnehmen wollen?

    Es empfiehlt sich, Mitglied zu werden. Aber es muss nicht sein.

    Es muss nicht sein.

    Wir bilden auch andere, die nicht Mitglied sind hier auch aus.

    Aber es empfiehlt sich, hast du gesagt, Mitglied zu werden, warum eigentlich? Sicher – wahrscheinlich – wegen dem Geld?

    Einerseits wegen dem Geld, andererseits auch zur Mitbestimmung. Also, das Mitbestimmungsrecht hat man, wenn man Mitglied ist im LORA-Förderverein.

    Wahrscheinlich dann doch auch weil diese Arbeit, diese Fördertätigkeit des Vereins Geld kostet.

    Genau. Eins will ich im Voraus sagen: LORA, hier Programm zu machen, LORA muss man sich leisten können. Das heißt: zu viel Zeit in ein Programm. Es ist nicht so einfach hier Programm zu machen. Man muss sich wirklich voll engagieren. Es kann nicht gut gehen, wenn man herkommt und sagt, ich will Radio machen. Und dann dann denkt man, dass es sich alles einfach so machen lässt. Das ist leider nicht wahr.

    Wir bilden – wie gesagt – hier Personen aus, Selbsthilfegruppen, Initiativen aus. Und das ist alles kostenlos. Das heißt, wir finanzieren uns durch die Mitgliedsbeiträge, die unsere Mitglieder – ca. 300 Mitglieder haben wir – dem Verein überweisen. Davon geben wir 1.200 Mark zur Unterstützung der Sendebetriebs-Erhaltung hier – also: damit hier alles läuft. Das ist unser Beitrag zu den Kosten.

    Und den Rest der Ausgaben finanziert LORA durch Werbung und andere Gelder. Fördergelder zum Beispiel wahrscheinlich.

    Ja. Ein Drittel von Fördergeldern, ein Drittel von Werbung und ein Drittel durch unseren Beitrag.

    Durch die Mitglieder. Das soll natürlich mehr werden, denn durch mehr Mitglieder ist dann auch eine weitgehende Unabhängigkeit von Werbung möglich.

    Ja, leider machen viele Bürger oder Bürgerinnen hier in München davon nicht Gebrauch. Ich versteh‘ das einfach nicht.

    Davon, Mitglied zu werden und davon, Radio zu machen?

    Genau.

    Aber das sind natürlich zwei verschiedene Sachen, wie wir schon gesagt haben.

    Ja sicher. Die können ja auch … also, das ist ein Beitrag, von – sagen wir – 5 Mark im Monat.

    60 Mark im Jahr, der normale Beitrag.

    Ich glaube, das wir einmal am Tag einmal im Monat an einem Tag vielleicht nicht rauchen würden, was unserer Gesundheit auch gut tut, können wir diese 5 Mark an LORA-Förderverein überweisen, somit sind wir Mitglied.

    Die ganze Arbeit des Vereines, macht die eigentlich Spaß?

    Ja, es macht mir Spaß. Ich hab‘ mit verschiedenen leider schwierigen Menschen zu tun, aber es ist irgendwie interessant, interessiert mich als Person, aber auch aufgrund meines Studiums.

    Was hast Du studiert?

    Ich habe Psychologie studiert, Politische Wissenschaft und Soziologie.

    Wie siehst du jetzt eigentlich die Zukunft von LORA? Wird LORA auch in den nächsten Jahren noch senden, oder geht es wegen finanzieller oder anderer Probleme nicht so richtig weiter?

    Es hängt davon ab, wie wir uns weiterentwickeln. Und ich glaube schon, dass es LORA immer geben wird solange wie es Menschen wie du und ich gibt, die Interesse haben, Radio zu machen, Interesse haben, Meinungsvielfalt zu vertreten – dafür aber auch hier aktiv mitarbeiten. Solange es diese Interessen gibt, glaube ich, wird es (LORA) geben, und LORA geht auch weiter.

    Nun bist du ja als Vorstandsvorsitzender des LORA-Fördervereins irgendwo in ’ner Position – muss man schon so sagen -, wo man auch ’n bissl was bestimmen kann. Mehr oder weniger. Wie wird die Arbeit ausschauen, die der Verein in der nächsten Zeit leistet, um das Projekt weiter zu entwickeln?

    Wir werden im Bereich Ausbildung – Weiterbildung hier besonders – mehr Angebote machen. Das wir hier Interessen wecken. Das die Bürger bei uns hier Radio machen können. Die können in der redaktionellen Arbeit mit machen. Das wir denen einfach etwas vertrauter machen, was Radio-Arbeit ist und dadurch auch vielleicht mehr Mitglieder haben, auch noch dann dazu beitragen können, mehr zu zahlen an unserem Beitrag für die Kosten hier. Und insofern würde ich als Vorsitzender des Vereins hier nochmal an unsere Mitglieder noch appellieren, das wir Mitglieder selber dafür werben. Das wir auch unsere Bekannten, unsere Freunde werben oder dazu beitragen, dass wir mehr Mitglieder haben, dass wir das auch finanzieren können. Desto mehr Geld wir haben – das ist auch wichtig -, desto mehr können wir ja leisten. Das können wir nicht verleugnen.

    Vielleicht sollten wir dann zu diesem Zweck doch jetzt auch mal unsere Telefonnummer durchgeben. Gewöhnlich kann man ja in der Sendung „Forum Aktuell“ anrufen, heute ist das nicht der Fall, aber man kann draußen im Studio anrufen und sich Unterlagen schicken lassen über LORA allgemein oder auch über den Verein und natürlich über die Mitgliedschaft. Da kann man in München anrufen unter der Telefonnummer 480 28 51.

    Ja.

    Daryoush, vielen Dank, dass du im Studio warst.

    Dankeschön.

    Und wir machen jetzt erstmal weiter mit Musik.

    Gespräch mit Hans Waldmann

    So, nun begrüß‘ ich den Hans. Hans Waldmann. Hallo.

    Ja hallo, Michael, grüß‘ dich.

    Du bist auch ein LORA-Aktiver, auch im Verein. Was machst Du so?

    Ja, zum einen bin ich in erster Linie als altbekannter Techniker hier. Ich mach also Sendetechnik seit LORA auf Sendung ist, das war ja im Oktober ’93. Hab‘ die erste Sendung dort gemacht. Bin dort natürlich dann immer treu geblieben der Sache und jeden Dienstag bin ich hier also an der Sendetechnik. Mach‘ natürlich dann auch Vorproduktionen, ich hab‘ a kleines Studio auch. Und ja, kümmer‘ mich dann allgemein um die technischen Sachen. Und dann kommt natürlich dazu, dass ich seit längerem auch im Vorstand bin als Beisitzer für Technik natürlich auch.

    Was versteh’n wir darunter?

    Ja, gut, ich meine, bei uns hier, bei LORA, spielt ja die Technik ’ne große Rolle. Es ist einmal die Technik-Ausbildung, – wobei das eigentlich schon wieder ’ne getrennte Sache ist, aber ich lass‘ es bei mir schon mit reinlaufen auch – dann, dass die Geräte funktionieren, die Apparaturen.

    Wir haben ja zwar ’nen Studioleiter, der Eckard Thiel, der das macht, aber mit ihm zusammen. Er kann ja nicht alles machen. Wir haben ja gehört, er macht ja verschiedenes auch redaktionell. Ich – davon abgesehen – auch, aber nur sehr wenig. Und dann kommt natürlich hinzu, dass man sich das irgendwo aufteilen muss. Das ist ganz klar. Allein ist das zuviel. Es geht einfach viel kaputt, es muss viel überprüft werden, es muss laufen einfach, ne?

    Und wir brauchen viel Kleinmaterial auch von Bändern bis Cutterset und weiß der Teufel was, selbst Lampen. Und das muss ja alles irgendwo her kommen. Und das teilen wir uns halt a so a bissl auf.

    Du hast vorhin gesagt, es gehört auch ’n bißchen die Ausbildung dazu, was die Technik betrifft?

    Ja, wir lernen. Also, wenn jetzt zum Beispiel jemand kommen würde und sagt, er möchte bei LORA Technik machen, dann braucht der also an sich kein Tontechniker oder sowas …, das wäre also überheblich. Die Leute werden bei uns angelernt. Wir haben ein Studio, was eigentlich mehr der Heimnorm entspricht. Also kein professionelles Tonstudio, aber ein gut funktionierendes Studio, was praktisch dann so gepegelt ist, das wir also gut übern Sender laufen.

    Der Verein organisiert also auch die Technik von LORA irgendwie mit und macht Ausbildung. Gibt’s da nun Kurse oder ist das ganz so nach … nach Bedarf irgendwie oder ist es … Wie wird das gemacht?

    Früher hab‘ ich also das so gehandhabt, dass wir Kurse gemacht haben für ’ne kleine Gruppe. Sagen wir mal fünf Leute. Dann hat sich das aber nicht für … hat sich das nicht so für gut erwiesen und ich bin jetzt eigentlich mehr drauf und dran auf die Einzelperson einzuwirken. Der eine oder andere hat schon gewisse Vorbildung, ja? Dann langweilt der sich natürlich und so kann ich jetzt speziell – nach Terminabsprache natürlich – dann auf die einzelne Person … kann ich mich mit der befassen. Und das ist an sich auch ganz gut. Und dann mach‘ ich’s natürlich auch so, dass, wenn die Leute hier vor dem Regiepult sitzen und Sendetechnik fahr’n, dass ich sporadisch mal reinkomm‘ und schau: „Wie macht der das?“, „Kann ich ihm noch irgendwelche Tips geben?“. Ich hör‘ natürlich auch zuhause viel von der technischen Seite mir das Programm an.

    Gibt’s noch andere Sachen, die du im Vorstand machst oder machen musst?

    Ja gut, ich mein‘, ich berate mich halt mit unserem Vorsitzenden, der Daryoush Nodehi, was zum Beispiel … Wir haben ja vor – es ist noch nicht ganz ausgebrütet, die Sache, aber zumindest mal geplant – im Herbst ein Fest zu starten. Ein LORA-Fest. Ob das vielleicht ’n Straßenfest wird oder was, wird sich zeigen. Es ist noch nicht ganz ausgegoren. Und vielleicht wird’s auch ganz was anderes. Also, da möchte ich jetzt noch garnicht soviel darüber sagen, weil einfach die Sache noch in der Bearbeitung ist, sag‘ ich’s mal so.

    Und ansonsten, beim Verein. Ich mein‘, wer’n Verein kennt, ob das jetzt Bierdeckel oder Goldfischsammler oder sonst was ist …, ich mein‘, da gibt’s immer Probleme. ‚N Verein ist immer mit Problemen belastet und man muss die eben man darf eben nicht davon laufen. Man muss sich stellen. Und dann muss man eben an die Vereinsmitglieder herantreten. Und es gibt ja auch dann Versammlungen mal wieder und da ist es ja nun so, die gehören ja vorbereite. Man kann sich nicht einfach vorne hin setzen und Bla Bla Bla. Dann wäre das nicht gut, sondern es gehört gut vorbereitet und nachdem ja alle bei uns berufstätig sind – ich schließ‘ mich da ja nicht aus – und ich ja – davon abgesehen – noch Familie hab‘, muss man irgendwie das zeitlich versuchen zu timen. Ist nicht einfach, sag‘ ich ganz ehrlich.

    Ja, ok.

    Was ich jetzt natürlich auch noch sagen wollte, Michael, dass wir natürlich unbedingt Leute brauchen. Gerade Techniker, wo wir also ’ne sehr, sehr dünne Decke haben und es mir schon manchmal passiert ist, wenn ich hier reinkomm‘, nur weil ich etwas abholen möchte: Ja, du Hans, es ist kein Techniker da. Kann ich natürlich auch nicht nein sagen. Aber das geht natürlich nicht auf Dauer. Und da brauch ‚mer also unbedingt Leute. Die brauchen aber auch keine Angst zu haben, wenn das auch hier jetzt am Anfang, wenn man das so sieht, a bissl kompliziert ausschaut, die ganzen Knöpferl und Regler. Das ist ganz einfach und wenn man a bissl Interesse hat, dann ist’s – glaub‘ ich – kein Problem.

    Ja, Interesse braucht man sicher, sonst hat’s ja wohl keinen Sinn, das zu machen.

    Und vor allen Dingen: Die Leut‘ sollen zuverlässig sein. Es hat keinen Sinn, wenn es heißt: „Ja, ich schau‘ mal vorbei und ich würde mal ganze gerne …“ Das bringt uns leider nichts. Also: wenn, dann voll rein in die Bulena (evtl. gemeint: Arena ??).

    Aber – wie alles bei LORA – ehrenamtlich und neben der sonstigen Tätigkeit. Und das ist natürlich kein Zuckerschlecken, da muss man schon ein Interesse haben an LORA und an der Technik …

    Das ist richtig. Das ist oftmals nicht einfach. Weil, wenn – wie gesagt, jemand voll berufstätig ist, der eine oder andere muss vielleicht mal Überstunden machen oder hat sogar, wenn er Pech hat, Schichtdienst, ist es garnicht mal so einfach und das Geld braucht man ja einfach, ne.

    Gut.

    Das ist ganz ganz klar.

    Hans, ich dank‘ dir, dass du hier warst.

    Danke dir auch.

    Und wir haben gerade von dem Fest gebroch … gesprochen, dass für den Herbst in Planung ist. Einzelheiten wissen wir noch nicht. Eine Aufnahme von unserem LORA-Fest vom letzten Jahr, das war Anfang Oktober – es singt unsere spanische Nachrichtensprecherin – hören wir uns jetzt an.

    Ansage Eberhard Efinger (0:30)

    Musik 3: Carmen Cano / Girl from Ipanema (2:50)

    (Liveaufnahme vom 08. Oktober ’94 mit LP-Playback, Ort: La Rumba Buena, Unterföhring )

    Gespräch mit Sabina Grosser

    LORA München auf der 92,4, hier ist das Forum Aktuell, jetzt sitzt neben mir Sabina Grosser, grüß‘ dich Sabina.

    Grüß‘ dich, Michael.

    Was machst du bei LORA?

    Ja, ich mach‘ bei LORA im Forum – und zwar „von Frauen für Frauen“. Das ist mal einmal im Monat, immer den letzten Mittwoch. Interessant ist nur, der Mittwoch hat ja auch manchmal fünf Mittwochs, und dann sind wir zwei Mal hintereinander dran. Und dass ist eigentlich so’n richtiges – ja, man kann schon sagen – feministische Frauensendung.

    Und genau das ist auch der Grund, warum ich dich heute hier im Studio hab‘, heute bei fünf Jahre LORA München sind bisher nur Männer aufgetreten. Der Grund liegt darin, dass in den offiziellen Stellen bei LORA nur Männer sitzen. Kannst du uns das irgendwie erklären, warum das so ist?

    Das nur Männer da sind?

    Ja.

    Es ist schwer zu erklären. Denn es sind ja auch einige Frauen schon in den Redaktionen vertreten. Aber wenn du dir mal das Gros anschaust, es ist überwiegend doch Männer. Und die wenigen Frauen, die da sind , ich glaub‘ – ja – die sind dann einfach auch irgendwo überlastet. Denn es ist ja nicht nur so, dass sie – mmh – Radio machen, sondern sie haben meistens ja auch noch irgendwo Familie zuhause. Und um die müssen sie sich kümmern. Die Männer machen’s nicht. Sondern sie kommen nach Hause und dann wird es gerichtet. Sie müssen sich nicht darum kümmern.

    Nun, also, da muss ich dir natürlich gleich sagen, ich hab‘ zuhause keine Familie und muss das alles selber richten und hab‘ natürlich auch entsprechend zu tun. Das kann ja nun nicht der einzige Grund sein.

    Das ist sicherlich nicht der einzigste Grund. Es gibt auch andere Gründe noch. Und es kommt immer wieder raus – ich bekomm’s immer auch mit – wenn irgendwelche Diskussionen sind oder irgendwelche Veranstaltungen sind: Wenn Frauen dann irgend etwas sagen möchten oder auch zu sagen haben, es wird wenig angenommen. Und die … die Akzeptanz ist einfach nicht … nicht da, den Frauen gegenüber, wie sie auch Männern gegenüber ist und das ist immer wieder auffallend.

    Also, das zu hören, was sie sagen, und nicht …

    Ja, und das anzunehmen auch, was sie sagen. Also, man hört sich’s an, aber es wird nicht aufgenommen.

    Nicht ernst genommen.

    Nicht ernst genommen. Was auch mit ’n Grund ist – vielleicht -, aber … ich denke mir, wenn dann wirklich mal Frau … ’ne Frau oder mehrere Frauen vielleicht sind, die etwas machen möchten – das ist aber nicht nur speziell bei Frauen, bei Männern auch, sind ja wenig da, die wirklich sich für mehrere Dinge engagieren -, dann werden sie vielleicht für alles gleich hergenommen. Das heißt, man catcht sie sich und dann bist du einfach überfordert. Und, ja – dann macht man das ’ne Zeit land und dann schmeisst man aber das Handtuch und sagt eigentlich, es steht mir bis obenhin, ich kann nicht mehr, ich bin fertig, ne.

    Vielleicht hängt auch bei LORA einiges mit zusammen, was hier ist. Es hängt auch viel mit technischen Dingen zusammen. Und vielleicht haben manche Frauen auch noch Angst, weil, wenn man das Ganze sieht, das ist ja nicht nur das Redaktionelle, obwohl wir das meiste ja eigentlich nur die redaktionellen Arbeiten tun. Aber vielleicht ist, wenn man hier herkommt, man sieht überwiegend Männer und Frauen sind dann weniger da und man fühlt sich nicht so … so – ja – ich will’s mal so ausdrücken: geborgen. Man hat keine, mir der man auch so drüber quatschen kann. Männer, die finden sich immer wieder und dann ist auch ’ne Gleichheit dann da. Denn haben sie die Themen und dann sind sie sich auch einig. Ne Frau muss dann jemand finden, mit dem sie den gleichen Konsens hat und das ist dann schon wieder schwieriger. Und deswegen – denk‘ ich mir – wird des … ist es ’n Problem, das Frauen nicht so in führenden Positionen so in Erscheinung treten. Weil sie einfach zu wenig sein. Und allein da stehen. Und das macht es schwer.

    Ja.

    Weil, wenn du etwas hast – du hast ’n Problem – und dann möchtest du vielleicht das auch mal mit ’ner Frau bequatschen, dann ist aber keine da. Weil, dann … dann sind nur Männer da – und das ist es ja nicht. Manchmal sind das Probleme, die kannste manchmal vielleicht nur mit ’ner Frau besprechen, ne. Und ’n Mann, wenn der ’n Problem hat, der findet hier immer Männer. Weil, es sind einfach genügend davon da. Und das ist dann einfacher, und ich denke mir, und wenn du in unsere Sitzungen reinschaust, sind ja auch dann wieder überwiegend Männer. Und dann ist vielleicht eine Frau da, maximal zwei. Aber meistens ist immer nur eine da. Das heißt, sie muss dann immer sich jemand suchen, der der gleichen Meinung ist. Und das ist dann halt eben ’n bisschen schwieriger.

    Aber wie kann man bei LORA denn dann damit umgehen? Es arbeiten ja Frauen mit bei LORA, und …

    Also, ich denke mir – mmh, die Möglichkeit ist unheimlich gut, dass man auch als Frau schon was sagen könnte. Wie gesagt, teilweise trauen sich Frauen weniger, aber das hängt mit der Situation der Frau allgemein auch zusammen, das Frauen sich immer weniger trauen. Das ist einfach so anerzogen, ja eingeimpft. Du musst Dich einfach zurücknehmen und ja …. und – aber ich denke mir, dass braucht man bei LORA nicht. Man könnte … könnte Frau auch ruhig mehr den Mund aufmachen. Denn ich hab‘ das so erlebt, dass es kein Problem ist, auch in Positionen einzusteigen, die größer sind. Aber ich denke mir andererseits müssten auch die Männer bei LORA – oder auch die in den Vorständen mit sitzen – auch mal wirklich das, was Frauen sagen, auch mal zuhören und nicht schon, wenn man angefangen hat, einen Satz zu reden, sie vielleicht schon unterbrechen. Und sagen, ach was die schon wieder hat. Ohne das man den Satz zuende gehört hat. Das hat auch schon einige Frauen vergrault und sagen: Die können doch ihren Laden alleine machen. Man sollte vielleicht wirklich mal ’ner Frau zuhören, sie hat auch was zu sagen. Und so schlecht ist es auch nicht, was sie zu sagen hat, also. Und ich denke mir, es hat sich schon … ich meine: LORA wird jetzt im Oktober wird … ist LORA zwei Jahre auf Sendung. Und ich hab‘ auch – ja – von der Geschäftsleitungsseite aus das Gefühl, das da auch schon mehr Entgegenkommen da ist. Das also … im Anfang war das ja ganz schwierig, aber im Laufe des … dieser zwei Jahre hat es sich doch – mmh, ja – positiv ’n bisschen gewandelt.

    Mmh.

    Also, ich denk‘ mir, es ist machbar eigentlich.

    Gut.

    Aber ich weiss es nicht, wieviel Frauen haben wir eigentlich jetzt zur Zeit, Michael? In den Redaktionen?

    Das weiss ich auch nicht …

    Ne? Ich denke, dass ist nämlich nicht so viel.

    … ich hab‘ keine Ahnung.

    In den meisten Redaktionen … es ist gerade in der Mittwochs-Redaktion und – glaub ich – ’n bisschen in den Ausländer-Redaktionen sind Frauen. Und sonst sieht es garnicht so – naja – so toll aus, mmh?

    Tja.

    Da geht’s nämlich schon los.

    In der Musik gibt’s ’n paar Frauen beim Techno …

    Vielleicht sollte man einfach mal alle Frauen einberufen, die bei LORA sind und mit den Frauen mal reden. (lacht) Wär‘ vielleicht auch nicht schlecht.

    Wär‘ ’ne interessante Idee.

    … und dann mal zu sagen, Mensch, wo könnte man etwas machen. Wo könnte man mitarbeiten und wie weit könnte man sich einbringen ohne dass man sich dabei zerreisst, ne. Denn das passiert sehr schnell. Das hat man bei uns ja schon gemerkt auch bei Männern, die zuviel getan haben, sind irgendwann ausgepowert, dann ist nichts mehr da. Das bringt es dann auch nicht, ne.

    Musik: Kurt Demmler / Mädchen sterben scheibchenweise (3:12) – Mädchen sterben scheibchenweise, gesungen von Folkskammer, anhören auf Youtube

    Gespräch mit Eberhard Efinger

    Neben mir sitzt jetzt der Eberhard Efinger. Grüß‘ dich Eberhard.

    Hallo, Michael.

    Eberhard, du bist LORA-Geschäftsführer, aber das ist nicht alles, was du machst. Was machst du sonst noch so bei LORA?

    Ja, nu. Da wär‘ nun mal natürlich erste Frage: Was macht überhaupt ’n Geschäftsführer – aber da woll’n wir jetzt nicht näher drauf eingehen. Ich bin einer von zwei Geschäftsführern und außerdem mach‘ ich auch noch das LORA-Ökomagazin als … sozusagen als Koordinator und auch zwei bis dreimal im Monat selber.

    Wir haben heute das Thema „Fünf Jahre LORA-Förderverein“ aber es geht natürlich bei uns jetzt dann nicht nur um den Förderverein sondern auch ’n bissl drüber hinaus. Aber LORA ist ja, wie wir alle wissen, schon älter und vor diesem Förderverein hat es ja auch schon einen andern Verein gegeben im LORA-Gesamtprojekt. Was ist eigentlich daraus geworden, warum ist das … warum ist damals dieser Verein, den wir jetzt haben, neu gegründet worden?

    Ja, der LORA-Förderverein, der wurde 1990 neu gegründet. Wir hatten ja 1986/87 unseren ersten … unseren ersten Versuch, eine Lizenz zu bekommen und da gab es diesen alten LORA-Verein, der also … dessen offizieller Name wesentlich komplizierter ist. Und nachdem nun der erste Versuch, eine Lizenz zu erlangen, gescheitert war, da hat sich dieser LORA-Verein – ich will mal vorsichtig sagen – irgendwie selbstständig gemacht weil hat da auch jemand war, der da ein Interesse dran hatte.

    Und irgendwann wurde halt auch gesagt, dieser LORA-Verein, der ist … hat eigentlich gar kein Interesse mehr daran, dass LORA tatsächlich ein Radio ist. Das heißt, er hat sich von dem Projekt sozusagen verabschiedet. Und daraufhin wurde dann halt ein neuer Verein gegründet.

    Das heißt, ich hab‘ mit einigen von den wenigen, die noch übrig geblieben waren zu diesem Zeitpunkt, diesen neuen Förderverein gegründet und wir hatten da ja ’ne ziemlich lange Durststrecke zu überwinden, weil kein Mensch mehr geglaubt hat, dass LORA jemals eine Lizenz erhält. Und diese Durststrecke, die haben wir dann ja auch überwunden, aber – wie gesagt – dieser neue LORA-Förderverein, der dann seit 1990 existiert, der hat erstmal … ja, war erstmal sehr klein.

    Und ich hab‘ damals praktisch die LORA-GmbH und den LORA-Förderverein gleichzeitig betreut. So, das war mehr oder weniger ein 1- bis 3-Mann-Betrieb bis dann die Sache wieder aufwärts ging.

    Jetzt muss ich aber schon nochmal zurückkommen auf dieses .. auf die Formulierung von dir, dass der andere Förderver … der andere Verein sich „vom Projekt verabschiedet hatte“, wie hat er das denn gemacht?

    Ja, also – gut. Da gab’s halt einen, der damals auch ’ne ABM-Stelle hatte und der wohl eher ein Betätigungsfeld darin sah, dass dieser Verein einfach Beiträge produziert, die man dann irgendwie anders – vielleicht bei anderen alternativen Radios – unterbringen kann. Das dieser Verein sich sozusagen auch rein auf eine Aus- und Fortbildungsschiene dann konzentriert. Auf jeden Fall war es einfach so – es bestand zwar eine vertragliche Bindung zwischen diesem alten Verein und der LORA-GmbH, wie das ja auch jetzt bei dem neuen Verein der Fall ist – das dieser Vertrag irgendwann einfach unwirksam wurde. Ich hab‘ dann noch versucht damals ’ne veränderte vertragliche Regelung durch zu bringen. Das hat nicht geklappt und dann wurde der Vertrag gekündigt.

    Das heißt, dieser andere Verein ist irgendwie dann halt in der Versenkung verschwunden. Ich weiß nicht, ob’s den überhaupt noch gibt, offiziell oder ob er auch offiziell schon beendet ist.

    Aber ihr habt ja dann in den letzten fünf Jahren, vornehmlich in den ersten dreien dieser fünf Jahre sehr viel Durchhaltevermögen auch bewiesen, damit LORA auf Sendung gehen kann.

    Ja, man muss vielleicht auch dazu sagen, dass wir ja auch ’ne lange Zeit noch … oder über’n Jahr Telefonradio gemacht haben. Ein sogenanntes Telefonradio, wo man also LORA über Telefon hören konnte. Das war natürlich sehr popelig, aber es war einfach ein Versuch, wenigstens irgendwie irgendwas zu machen.

    Wie ist man drauf gekommen? Oder wie seit … warum habt Ihr das gemacht?

    Och, das war ’ne Idee vom Eckard. Und ich hab‘ die dann halt zusammen mit ’n paar andern auch umgesetzt. Und, ja – wir haben das dann halt ’ne Zeit lang durchgehalten. Das heißt, man konnte halt bei ’ner bestimmten Nummer anrufen und konnte 10 Minuten LORA hören (lacht).

    Wenn ich mich ganz nicht irre, war das ja dieselbe Telefonnummer, unter der wir jetzt hier auch im Studio zu erreichen sind.

    Ganz recht.

    Ganz recht. Aber es war nicht das Einzige, was man .. was ihr gemacht … was wir, muss ich ja auch zum Teil dazu sagen …

    Ja, du gehörst ja auch zu den alten Kämpfern.

    Zum Teil vielleicht. Es gab‘ ja auch Infostände und es gab‘ ja sogar mal den Versuch eines Demo-Radios oder Fahrrad-Radios …

    Ja, das haben wir auch noch gemacht. Das war ’ne andere Sache, das wir halt ein Demo-Radio gemacht haben, das heißt, dass … bei bestimmten Demos sind wir halt mit gegangen mit einem auf einem Fahrrad montierten Lautsprecher und da wurde dann eben auch ein vorproduzierter Beitrag abgespielt. Da gab es auch damals diese Demos im Zusammenhang mit, ich weiß garnicht mehr genau, mit Raketen und Tschernobyl und so weiter. Und Golfkrieg vor allem, und da war’n wir dann eben auch mit dabei.

    Was ist eigentlich das treibende Element gewesen, und gleichzeitig auch das Besondere an diesem Radioprojekt, dass Leute so lang Kraft gefunden haben, dahinter zu stehen?

    Also, bei mir persönlich war es einfach der Gedanke, dass, wenn man mal was so angefangen hat und schon so viel Energie rein gesteckt hat, dass man sozusagen, das dann auf halbem Wege einfach lässt und aufgibt, das ging mir einfach gegen den Strich. Und ich hab‘ mir gedacht man muss auf jeden Fall jede Chance nützen um dieses Projekt vielleicht doch noch zu realisieren. Und das hatte dann letztendlich geklappt, weil auch – das hat ja auch der Präsident der Bayerischen Landesmedienzentrale, der Wolf-Dieter Ring gesagt – einfach unsere Hartnäckigkeit hat die Leute auch beeindruckt und die wollten eben auch sehen, dass die Leute, die so ein Projekt durchziehen wollen, dass die dann auch wirklich dran bleiben. Und – sagen wir mal – allein schon die Sturheit an sich, glaub‘ ich, war da ein wichtiger Faktor, dass das dann schließlich doch geklappt hat.

    Wie siehst du jetzt persönlich LORA im Moment. Ich meine, bist du als einer der Väter zufrieden mit dem, was daraus geworden ist?

    Nein, natürlich nicht. Wobei uns immer klar war, dass natürlich LORA unter den Voraussetzungen unter denen wir hier Radio machen, dass wir natürlich nie ein wirklich professionelles Radio machen können. Den Anspruch hatten wir eigentlich auch nie. Aber wir wollen schon ’n interessantes und hörbares Radio machen. Wir wollen auch ein politisches und kritisches Radio machen. Und da gibt’s natürlich noch viele Bereiche, wo es noch erhebliches … erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten und auch -Notwendigkeiten gibt. Das betrifft sowohl die Programmqualität als auch vielleicht das Kritische. Das was wir unter dem alten Schlagwort im Sinne von Gegenöffentlichkeit anstreben. Das man halt wirklich auch Dinge bringt, die vielleicht woanders nicht so zu hören sind und ich vermisse da auch so in Teilen so ’n bisschen auch noch so ’n politische Kompetenz bei uns. Also, in dem Bereich, da gibt es bestimmt noch vieles zu tun.

    Andererseits muss man auch sagen, unter den Voraussetzungen, unter denen wir Radio machen, brauchen wir uns eigentlich nicht genieren – auch wenn es manchmal etwas peinliche Pannen gibt – für das, was da so im Durchschnitt über den Äther zu hören ist. Es gibt gute Sachen auch neben den Sachen, die sich vielleicht nicht so gut anhören

    Kannst du uns noch irgend ’n Ausblick geben, irgendwas, was in der Zukunft geplant ist an Änderungen oder … oder irgend was anderes?

    Na, Änderungen hab‘ ich, was meine persönliche Meinung anbetrifft, Änderungen eigentlich nicht. Verbesserungen würde ich sagen. Wir müssen noch besser werden. Wir müssen halt auch – wie gesagt – manchmal vielleicht auch noch ’n bisschen kritischer werden. Und im Übrigen müssen wir halt schauen, dass wir halt vor allem auch die organisatorischen Probleme, die halt so ’n ehrenamtlicher Betrieb mit sich bringt, auf die Reihe kriegt … kriegen. Und natürlich hängt letzen Endes auch vieles am Geld. Das heißt wir brauchen mehr Mitglieder, wir brauchen mehr Werbe-Einnahmen, wir kriegen ja auch Zuschüsse, und wir müssen einfach versuchen, dass wir mit Hilfe …, das wir unsere Finanzen verbessern und damit eben auch uns vielleicht mal ’n paar Leute leisten können, die … denen wir auch was zahlen können, dafür, dass die ’n bisschen hier Ordnung in den Laden bringen und die organisatorischen Probleme eben geringer werden.

    Abmoderation

    Die FORUM-AKTUELL-Stunde über LORA, über den LORA-Förderverein ist fast vorbei. Wir hoffen, dass auch ein paar interessante Informationen dabei waren – und dass sich vielleicht jemand meldet, der Interesse an einer Mitgliedschaft oder Mitarbeit hat.

    Für diese Sendung war verantwortlich: Michael Lucan.

    Als Gäste waren im Studio: Eckard Thiel, Daryoush Nodehi, Hans Waldmann, Sabina Grosser und Eberhard Efinger. Vielen Dank an alle.

    Und ich sage: Tschüss – und wünsche noch viel Spaß mit dem Programm unserer Kulturredaktion.

    Jingle Forum Aktuell (Nachspann, 0:24)


    Aus Zeitgründen nicht in der Sendung:

    Gespräch mit Harald Bischoff

    LORA München auf der 92,4, hier ist die Sendung Forum Aktuell, heute geht’s um LORA. Fünf Jahre LORA-Förderverein, das ist unser Thema. Und neben mir sitzt jetzt der Harald Bischoff. Harald, hallo.

    Grüß‘ dich, Michael.

    Grüß‘ dich. Du warst auch mal lange Zeit Vorsitzender des Fördervereins und deswegen bist du heute Abend auch hier dabei. Wir reden ja heute abend eigentlich – so ist der Titel der Sendung – über den Verein. Aber natürlich wollen wir nicht über die Vereinsverwaltung oder über das Vereinsleben an sich sprechen. Das ist ja nun auch langweilig, denn der Zweck des Vereines ist es ja eben, dieses Radioprogramm hier zu fördern.

    Du warst lange Zeit Vorstand, auch in diesem Verein, bis zum letzten Dezember …

    Mmh, ist richtig, ja?

    … Was machst du zur Zeit bei LORA?

    Also zur Zeit bin ich ganz froh, dass ich nicht mehr so viel Arbeit hab‘ wie vor zehn Jahren, also …

    Du meinst „die letzten zehn Jahre“ ?

    Die letzten zehn Jahre. Ich beschränke mich auf die Stunde am Sonntag zwischen 20 und 21 Uhr. Die letzte Stunde bei LORA München am Sonntag. Die Sendung heißt genauer gesagt „Liederliches und Kleinkunst“, und da geht’s also um lokale Events in München, die mit Kleinkunst und Liedermacherei zu tun haben.

    Also auch heute abend dann um 20 Uhr wieder?

    Aber selbstverständlich.

    Ja, unser Thema ist ja heute „Fünf Jahre LORA-Förderverein“ – wie lang bist du denn schon dabei?

    Also, ich hab‘ den Eckard Thiel – würde mal sagen – so ’82 oder ’83 in einer Kneipe getroffen und da bin ich hingekommen, weil ich vorher bei den Haidhausener Nachrichten ’n paar Sachen geschrieben habe und mich für die Medienszene insgesamt sehr interessiert habe – zu der damaligen Zeit auch. Und ich bin dann zu diesem Verein gestoßen, das war so ein … mehr aus der Friedensbewegung heraus einige Leute, die gemeint haben, man bräuchte ein Forum, um Nachrichten schnell und adäquat an die Münchner Bevölkerung weiter zu leiten. Und das war – wie gesagt – vor … also 1982 war das nicht so einfach wie heute. Und da hat es irgendwie angefangen. Wenn du das so willst, also das war so der damalige Anspruch für die Münchner Bevölkerung möglichst schnell über’n Äther zu bringen.

    Worauf ich hinaus wollte, Harald, das war des: Wir wissen ja schon vom Daryoush, dass durch die Mitgliedsbeiträge hier das Programm finanziert wird, zu einem Drittel – momentan. Du weißt aus deiner Tätigkeit als Vorstand … kennst du auch viele Interna. Was ist das dringendste Problem von LORA?

    Das dringendste Problem von LORA ist, wenn wir das Konzept beibehalten wollen, was wir seit zehn Jahren haben, mit verschiedenen Abwandlungen, ein Bürgerradio zu machen. Das dringendste Problem ist die … die Mitglieder. Also, wir brauchen ungefähr 1000 Mitglieder, um das Radio so, wie es im Augenblick läuft – ohne finanzielle Engpässe, ohne Aufoktruieren von außen – irgendwie durchzuziehen.

    Also, das heißt, wir sind gezwungen, Werbung zu machen, was wir – zum Beispiel – nicht wollten, und so weiter.

    Und wie ist es mit der Mitarbeit in den Redaktionen? Das ist ja nun nicht Sache der Mitglieder, denn LORA ist ein Förderverein und die Mitglieder fördern durch ihren Mitgliedsbeitrag oder durch Spenden – ja, die Idee an sich, die Idee dieses Radios – dieses Radio konkret natürlich. Sie fördern also auch die Arbeit der Leute, die hier mitmachen. Jetzt im Moment unser beider und die der anderen die hier heute abend schon waren oder noch sein werden.

    Also, die Förderung des Fördervereins besteht hauptsächlich darin, dass er Leute akquiriert, die hier tagtäglich Programm machen. Das sind immerhin 21 Stunden pro Woche. Es sind 21 Gruppen, die versuchen, eine Stunde in der Woche zu machen. Das sind Gruppen zwischen einer Person und fünf oder sechs Personen. Das heißt, man kann ungefähr hochrechnen, es gibt ungefähr 70 Leute, die hier mehr oder minder regelmäßig Radio machen. Obwohl sie vielleicht vor 14 Tagen oder vor ‚m halben Jahr keine Ahnung gehabt haben, was Radio ist.

    Das ist der Anspruch vom Förderverein, dass jeder der von der Straße reinkommt, der sagt, er hat Interesse, Radio zu machen, dass der hier ’ne Möglichkeit findet, sich in irgendwelchen Redaktionsgruppen – also in 21 verschiedenen Redaktionsgruppen – anzusiedeln und zu sagen, er kann jetzt mal probieren, hier Radio zu machen.

    Und so ist das halt unterschiedlich irgendwie zu bewerten. Um jetzt mal ganz kurz eine … eine Interpretation meinerseits zu wagen, ist, das die Rechnung eigentlich aufgegangen ist. Also, es kommen genügend Leute, die Interesse haben und bleiben genügend Leute übrig, um das Radio zu machen und an den Inhalten, da basteln wir noch. Das ist sehr unterschiedlich.

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