Time For Jazz (31.03.2006, 22:10 – 24:00 Uhr)

  • „Time For Jazz“-Jingle

… und am Mikrofon begrüßt Sie Michael Lucan. Das überrascht Sie wahrscheinlich, denn – jedenfalls wenn Sie Stammhörerin oder -Hörer sind – … Sie haben wahrscheinlich Gerd Aujezdsky hier erwartet.

Gerd Aujezdsky ist erkrankt und kann heute die Sendung nicht moderieren. Ich bin ganz kurzfristig für ihn eingesprungen.

Also Gerd, von hier aus „Gute Besserung“ – und lass bald wieder von Dir hören, hier bei „Time For Jazz“.

„Time For Jazz“, das bedeutet „Time for good music“, „jazzige“ Unterhaltung, und nicht wortreiches Unterrichten, so lese ich das hier. Bis Mitternacht hören Sie also heute Nacht viel Musik. Unter anderem von und mit Chris Jarrett, Lisa Wahlandt, Ray Anderson, Herbie Mann, Nnenna Freelon und noch einigen anderen.

Cassandra Wilson soll die erste sein, Sie kennen sie vielleicht als eine der zur Zeit populärsten Jazz-Sängerinnen. Aus ihrer CD „Traveling Miles“ von 1999 habe ich einen Titel ausgesucht, und zwar „Someday My Prince Will Come“:

Ja, ein bisschen kitschig ist er schon, der Text dieses Liedes – „Someday My Prince Will Come“ -, dessen erste Jazzversion Dave Brubeck 1957 aufgenommen hat. Hier gesungen von Cassandra Wilson. Im Original stammt das Lied aus dem Disney-Film „Schneewittchen“ von 1936 – und heute Abend soll es Sie einstimmen auf nicht ganz 2 relativ ruhige Stunden hier bei „Time for Jazz“.

LORA München, hier ist – noch bis Mitternacht – die Sendung „Time For Jazz“, und für den Fall, dass Sie die Sendung nicht von Anfang an verfolgt haben, noch einmal kurz die Information, dass Gerd Aujezdsky, der heute Nacht eigentlich hier sitzen und die Sendung moderieren wollte, erkrankt ist und nicht hier sein kann.

Mein Name ist Michael Lucan, ich bin für ihn eingesprungen und hoffe, dass Sie sich mit meiner Musikauswahl anfreunden können, auch wenn ich nicht die bewährte Kompetenz im Jazz mitbringe, wie Gerd und seine Kollegen.

Trotzdem habe ich für Sie ein gemischtes Programm zusammengestellt, mit dem wir gemeinsam die Zeit bis 24 Uhr verbringen können, ruhig und gemütlich.

Und nach Cassandra Wilson ganz am Anfang war das jetzt Lisa Wahlandt, die in München lebt.

„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, ein Titel, den – im Film „Der Blaue Engel“ – vor vielen Jahren Marlene Dietrich gesungen hat.

Lisa Wahlandt hat vor – ja, etwas mehr als einem Jahr – eine CD rausgebracht, mit dem Titel „Marlene“.

Und die Musik, die ganze Interpretation ist zwar einerseits eine Hommage an Marlene Dietrich, zz~- zcz-} so ganz anders, als wir sie bei den Titeln der Marlene Dietrich gewohnt sind.

Eben – wie der Gesang – etwas ganz eigenes. Und entstanden aus einer spontanen Idee hier in der Münchner Unterfahrt, wo Lisa Wahlandt und ihre Musiker im Sommer 2002 eine Woche lang spielten.

Jetzt noch zwei Titel aus dieser CD, und zwar „Muss I denn zum Städtele hinaus“ und „Fräulein Annie wohnt schon lange nicht hier“. In diesem zweiten Titel spricht eine gewisse Cirta Rosbach die zusätzliche Frauenstimme. Cirta Rosbach ist professionelle Sprecherin in der Rundfunkwerbung, auch in Lernsoftware und so weiter kann man sie hören, hier also bei Lisa Wahlandt mit Gerwin Eisenhauer, Walter Lang und Christian Diener – „Muss I denn zum Städtele hinaus“ und „Fräulein Annie wohnt schon lange nicht hier“:

Nnenna Freelon mit „My Cherie Amour“, ein Titel von Stevie Wonder. Ihm hat Nnenna Freelon Ende 2003 eine ganze CD gewidmet und dabei seine Songs ganz neu und zart gesungen.

»Von ‚Superstition‘ mit seinem überraschend empfindsamen Text bis zu ‚Send One Your Love‘, mit dem romantische Gefühle gefeiert werden, bringen die Stücke von Stevie Wonder uns das Vergangene wie auch die Zukunft nahe. Seine Musik lebt in mir, seit ich denken kann und hat mich in guten wie in schlechten Tagen begleitet. Diese Lieder füllen mich ganz aus und jetzt, da ich sie selber singe, überwältigen sie mich.«

(»From ‚Superstition‘ with its surprisingly deep lyric to ‚Send One Your Love,‘ a celebration of pure romance, these songs take us back and lead us forward at the same time. Stevie Wonder’s music has been alive in me since I can remember and has accompanied my joys and heartache. These songs fill me to the brim and as I sing them now, my cup runneth over.«)

Das sagt Nnenna Freelon selbst zu Ihrer „Tales-Of-Wonder“-CD. Und auch Sie können sich jetzt überwältigen lassen von Ihrer Version des Stevie-Wonder-Hits „Superstition“:

  • „Time For Jazz“-Jingle

Und hier bei „Time For Jazz“ heute ein ruhiges und gemütliches gemischtes Programm noch bis 24 Uhr. Zuletzt Nnenna Freelon mit zwei Titeln von Stevie Wonder, hier mit gradlinigem Jazz-Fusion-Charakter.

Und jetzt … kommt etwas ganz anderes:

Ray Andersen und sein »munteres Posaunen-Geplauder« – eine Formulierung aus der Zeitschrift audio – und der Titel „Blues Bred In The Bone“ aus der gleichnamigen LP von 1988 auf dem Münchner enja-Label. Die LP ist inzwischen auch als CD herausgekommen.

Ray Andersens Name steht für unverkennbare, freche Solos einzigartiger Originalität.

»Wichtig ist es, sich selbst zufrieden zu stellen«, sagt er selbst, »neues auszuprobieren, sich immer wieder zu fordern und auf das zu hören, was die Musik einem befiehlt zu tun. Neue Grenzen zu erfahren. Egal ob es dem Publikum gefällt oder nicht. Wenn du mit deiner Musik zufrieden bist und das Publikum sie auch noch mag, dann ist das fantastisch. In der Popmusik ist es anders. Dort spielen die Musiker, was das Publikum hören will.«

Soweit dies Zitat von Ray Anderson.

Mein Lieblingsstück von ihm ist der alte Titel „Mona Lisa“, der schon von nahezu unendlich vielen Sängern gesungen wurde, schmalzig von Nat King Cole, voller Soul von James Brown, oder leicht rockig von Shakin‘ Stevens.

Ein bisschen schräg jetzt von Ray Anderson und seiner Posaune, mit dabei Anthony Davis am Piano, John Scofield, Gitarre, Mark Dresser, Bass und Johnny Vidacovich, Schlagzeug – „Mona Lisa“:

  • „Time For Jazz“-Jingle

Der längste Titel heute Nacht, Chris Jarrett mit „Wanderings“, eine Live-Aufnahme von 1995 aus dem Sudhaus in Tübingen. Genau vor 10 Jahren auf CD erschienen.

Auf seiner Webseite kann man lesen, dass Chris Jarrett mit seiner Musik weder auf die Liebhaber von klassischer Musik noch auf die der Jazzmusik zielt. Er sieht die Zuhörer als das Zentrum seiner Konzerte, er will sie erregen und über die Musik mit ihren kommunizieren und sie zu eigenen Gedanken anregen.

Denn, soviel ist klar, in seiner Musik drückt er sich und seine Ideen unabhängig von Stil-Diktaten aus. Und das macht ihren Reiz aus.
Auch in „Musica Satirica“:

Soweit Chris Jarrett, der seit 1985 in Deutschland lebt, hier mit dem Titel „Musica Satirica“ aus seiner 1996er CD „Live in Tübingen“.

Und jetzt habe ich einen ganz anderen Musiker herausgesucht. Einen, von dem es unübersehbar viele Schallplatten – LPs – gibt, weit über hundert.

Nach Posaune und Klavier kommt nun die Querflöte von Herbie Mann dran. Zwei Titel aus seiner CD „Jazz Masters 56“, die 1996 veröffentlicht wurde, möchte ich heute spielen. „Baia“ und „Evolution of man“:

  • „Time For Jazz“-Jingle
Pierre Favre Ensemble – Frog Songs 6:06
CD „Singing Drums“

Hier ist LORA München, Sie hören die Sendung „Time For Jazz“, noch
eine gute halbe Stunde hier auf der 92.4.

Das Pierre-Favre-Ensemble war das zuletzt mit dem Titel „Frog Songs“. Davor der im Juli 2003 verstorbene Herbie Mann.

Das Pierre-Favre-Ensemble, das sind Pierre Favre, Paul Motian, Freddy Studer und Nana Vasconcelos, die 1984 diese Aufnahmen bei ECM-Records veröffentlichten. Es gibt diese Aufnahme natürlich inzwischen auch auf CD.

Pierre Favre selbst ist seit 1954 Profimusiker, damals war 17 Jahre alt, spielte übrigens von 1962 bis ’66 im Orchester Max Greger, ich weiß nicht, war es Schlagzeug oder Klarinette, sein anderes Instrument? Zur selben Zeit auch im Jazz-Ensemble des Bayerischen Rundfunks. Eines seiner vielen späteren Projekte war das Pierre-Favre-Ensemble, die anderen Perkussionisten aus dem Ensemble habe ich schon genannt.

Diese CD hat bei mir lange ein Dornröschen-Dasein erlitten, für die Sendung heute habe ich sie mir neu angehört und kann nur Patrick Manzecchi vom Südkurier beipflichten, der Pierre Favre als den »melodischsten Drummer Europas« bezeichnet.

Noch ein Stück vom Pierre-Favre-Ensemble, „Prism“:

Pierre-Favre-Ensemble – Prism 8:13
CD „Singing Drums“

„New Orleans“ von Herbie Mann, aus den 70er-Jahren, so hört es sich jedenfalls an, genauer gesagt aus der CD „Memphis Underground“, die – na gut – 1969 erschienen ist, damals als LP natürlich. Eine seiner wichtigsten LPs scheint es, denn – so wird es da geschrieben – erst die habe ihn einem größeren Publikum bekannt gemacht. Erstaunlich eigentlich, denn das war ja immerhin schon seine ca. fündundvierzigste LP.

Ein anderer Großer des Jazz ist der Kanadier Oscar Peterson und von ihm habe ich jetzt einen Titel aufgelegt: „You Look Good To Me“ aus der CD „Saturday Night At The Blue Note“. Live-Aufnahmen vom März 1990. Das Oscar-Peterson-Trio mit Oscar Peterson, Klavier, Ed Thickpen, Schlagzeug und Ray Brown, Bass:

  • LORA-Jingle

Der Gittarist Herb Ellis, der früher auch mit Oscar Peterson zusammen spielte.

Den haben wir vorher gehört mit „You Look Good To Me“, und Herb Ellis spielte uns jetzt den „Blues For Junior“, er selbst an der Gitarre, dann Stan Getz, Tenor-Saxophon, Roy Eldridge, Trompete, Ray Brown, Bass und Stan Levey, Schlagzeug. „Nothing But The Blues“ heißt die CD von 1994.

Ja, und wenn ich auf die Uhr schaue, dann sehe ich, dass ich den letzten Titel, den ich mitgebracht habe, nicht mehr ganz ausspielen kann. Sie sollen ihn trotzdem hören:

Kenny Burell Quartet – Blues 8:45
5-LP-Set „Jazz Spectrum (I Giganti Del Jazz)“ (var. artists)

LP 4, Seite 2, Nr. 2

LP bei www.recordsale.de

Hier muss ich die Musik unterbechen, denn das war’s für heute bei „Time For Jazz“, zuletzt mit einer Aufnahme des Kenny Burell Quartet von 1961.

„Time For Jazz“ gibt’s am nächsten Freitag wieder nach den 22-Uhr-Nachrichten hier bei LORA München.

Für die heutige Sendung war – ausnahmsweise – verantwortlich und am Mikrofon: Michael Lucan. Ich bedanke mich fürs Zuhören und wünsche Ihnen ein gute Nacht.

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