
Prominente als Köder für fiesen Online-Liebesbetrug: Moderne Heiratsschwindler („Love Scammer“) nutzen u. a. die Namen der „Rosenheim Cops“-Schauspieler Igor Jeftić und Dieter Fischer, um vor allem ältere Menschen auszutricksen und um ihr Geld zu bringen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich warnen eindringlich: “Bayern geht konsequent gegen diese perfide Form des Liebesbetrugs vor.”
Emotionale Masche mit System
Die Täter geben sich auf Dating-Plattformen oder in sozialen Netzwerken etwa als Ärztin, Soldat oder Ingenieur aus, bauen gezielt Nähe auf und nutzen diese später aus. Eisenreich warnt: “Perfide Liebesbetrüger stehlen die Identitäten von Prominenten. Sie schreiben potenzielle Opfer unter dem prominenten Namen an und bitten mit erfundenen Notlagen um Geld. Oftmals versuchen sie dann, die Kommunikation auf Messenger wie Telegram zu lenken.”
Millionenschäden – und hohe Dunkelziffer
Allein im letzten Jahr gab es in Bayern über 450 angezeigte Fälle, der Schaden lag bei rund 5,3 Millionen Euro. Die tatsächlichen Zahlen dürften deutlich höher sein. Herrmann: “Auch wenn das Phänomen ‘Love Scamming’ inzwischen nahezu täglich in den verschiedenen Medien präsent ist, fallen leider immer noch viel zu viele auf derartige Betrugsmaschen meistens über Social Media Plattformen herein – nicht wenige verlieren dadurch ihre gesamten Ersparnisse. Unser Ziel ist es, möglichst viele potentielle Opfer zu erreichen und zu sensibilisieren. Ebenso gilt es Angehörige und weitere Vertrauenspersonen wie beispielsweise Bankmitarbeiter zu warnen. Die Bayerische Polizei hat hier bereits umfassend reagiert und weitrechende Maßnahmen ergriffen. Hierzu zählen neben einer Rahmenkonzeption zur Bekämpfung dieses Phänomenbereichs mit verschiedenen repressiven Komponenten, wie beispielsweise der Auswertung von Funkzellendaten, auch eine Vielzahl an Präventionsmaßnahmen.”
Konkreter Fall: gehackter Account
In einem Fall wurde der Account von Igor Jeftić missbraucht. Eine Frau aus Oberbayern überwies am Ende rund 35.000 Euro. Oft liegen die Schäden sogar im sechsstelligen Bereich. Eisenreich: “Die Folgen für die Opfer sind erheblich. Abgesehen von dem materiellen Verlust drohen Depressionen und Angstzustände. Viele bringen die Tat aus Scham erst gar nicht zur Anzeige.”
Typische Tricks – klare Warnung
Die Vorgehensweise ähnelt anderen Betrugsformen wie „Schockanrufen“ oder dem „Enkeltrick“. Herrmann betont: “Das Schema ist immer das Gleiche: Auch neben Love Scamming bedienen sich Kriminelle immer wieder verschiedenen Legenden und gehen meist sehr raffiniert vor, um das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und letztlich schamlos auszunutzen. Hierzu zählen auch die sogenannten ‘Schockanrufe’ oder der ‘Enkeltrick’. Die Opfer wollen immer nur das Richtige tun und helfen, werden dafür aber bitterlich bestraft. Daher mein Appell: Werden Sie hellhörig, bei der Aufforderung zur Überweisung oder Übergabe von Geld. Beim geringsten Verdacht bitte sofort die Polizei einschalten! Nur dann kann skrupellosen Kriminellen das Handwerk gelegt werden.”






Ermittlungen und Strukturen
Hinter den Taten stehen teils organisierte Gruppen. Spezialisierte Ermittler – etwa die Zentralstelle Cybercrime Bayern – übernehmen komplexe Fälle. Erst kürzlich wurden im Raum München Verdächtige aus einer kriminellen Vereinigung festgenommen, die Erlöse aus Love-Scam-Betrug gewaschen haben sollen.
Wichtige Tipps
Die Minister raten: “Schauen Sie im Internet genau hin, wer Sie anschreibt, vor allem wenn Sie plötzlich eine angebliche Nachricht von einem bekannten Schauspieler oder einem anderen Prominenten in den sozialen Medien erreicht. Ignorieren Sie Forderungen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Beziehen Sie Familie oder Freunde ein. Überweisen Sie kein Geld. Stellen Sie keine Schecks aus. Geben Sie keine Daten, vor allem keine Bank- oder Kreditkartendaten, heraus. Senden Sie keine intimen Bilder oder Videos. Und wichtig ist: Zeigen Sie die Täter an.”
Fotos der Veranstaltung bei Alto Press