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Auf dem Professor-Huber-Platz in München haben seit Mitte Mai propalästinensische Studierende und Aktivist:innen ein Camp aufgebaut. In der Nacht zum Freitag letzter Woche, kurz nach Mitternacht, wurde dort Feuer gelegt. Die Polizei nahm einen 26 Jahre alten Tatverdächtigen fest.
In der Online-Ausgabe der tageszeitung, auf taz.de, findet sich darüber ein Artikel von Freitagnachmittag. Hieraus ein kurzes Zitat: Die Camp-Bewohner:innen hoffen jetzt auf erhöhten Polizeischutz. „Der Hass, der uns hier entgegenschlägt, macht uns große Angst“, sagte Cara Schulze der Süddeutschen Zeitung. „Wir fühlen uns nicht mehr ausreichend geschützt“. Soweit das Zitat aus der taz. Cara Schulze ist eine der Pressesprecher:innen der Camp-Aktivist:innen.
In dem Artikel ist ein Foto, das der Münchner Bildjournalist Alexander Pohl am Mittag des 2. August, also am Freitag letzter Woche, aufgenommen hat. Abgebildet sind die Reste einer verbrannten Palästina-Flagge dort im Protestcamp:
Alexander Pohl war heute bei uns im Studio:
O-Ton
Tja, tatsächlich gibt es Video-Aufnahmen Dritter, die uns vorliegen, und die diese Vorgänge im Detail zeigen. Besonders irritierend für mich, der ich selbst auch oft als Bildjournalist unterwegs bin: Die dauernde Belagerung des Fotografen durch 2 junge Frauen – mindestens eine mit Ordner-Binde – die Ihre Kleidung ausbreiten und sich mit Ihrem Oberkörper genau vor den Fotografen stellten, so dass dieser seiner Arbeit nicht nachgehen konnte.
O-Ton
Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. Und nicht gemachte Fotos auf einer Veranstaltung können nicht nachgeholt werden. Andere Pressefotografen waren nicht anwesend, einige Blogger:innen schon, denen ja auch ein paar der uns vorliegenden Video-Aufnahmen zu verdanken sind * die uns vorliegenden Videoaufnahmen verdanken wir einer Journalistin, die privat vor Ort war.
Mein Besuch am Mittwochabend im Palästina-Camp am Professor-Huber-Platz, um eine Stellungnahme einzuholen ergab übrigens eine Bestätigung des hier eben Gehörten. Eine Person für Presseanfragen stand nicht zur Verfügung, ohnehin waren nur wenige Personen anwesend.
Aber ich erhielt immerhin die Auskunft, dass der Fotograf dort bekannt sei, für die SZ arbeite und oft Portrait-Aufnahmen veröffentlichen würde. So ganz sicher war sich die Auskunft gebende Person dann aber doch nicht. Aufnehmen durfte ich diese Aussagen deshalb nicht. Und die zugesagte Rückmeldung erfolgte leider auch nicht.
Ein Versuch, von Poltiker:innen der Linken – die an der Kundgebung teilgenommen hatten –, heute per Telefon eine Aussage zu bekommen, war leider auch nicht erfolgreich. Ich erhielt von einem der Angefragten die Auskunft, er wolle sich über eine solche „Kleinigkeit“ nicht äußern. Er hatte einen Teil des hier Gesagten unmittelbar mitbekommen.
Nach all der „Medienhetze“ über den Protest und das Camp verstünde er die Vorsicht der Veranstalter sehr gut. Daraus könne man keine Einschränkung der Medienfreiheit machen.
Und, ganz erstaunlich, als persönliche Meinung: Es passe auch nicht zu “Radio LORA”, dies zum Thema zu machen.
Naja, man kann es so sehen: Niemand ist verletzt worden, niemand ist gestorben. Und im Vergleich zur Situation im Gaza-Streifen und im Palästina-Camp am Tag des Brandanschlags ist die Ausgrenzung eines Pressefotografen vielleicht nicht das große Thema. Aber dies (in der Überzeugung, das Richtige zu tun) einfach zu machen, weil einem die Arbeit des Fotografen nicht gefällt, ist nicht OK. Auf den Videos ergibt sich, dass dem Fotografen garnicht zugehört worden ist, bei dem was er sagte. Er war schon in eine Schublade gesteckt worden.
Die Pressefreiheit fängt halt genau da an: im Kleinen. Und auch LORA München darf sich Themen frei suchen und berichten, worüber und wie es uns gefällt.
* = Nach der Ausstrahlung des Beitrags habe ich eine Korrektur vorgenommen und auch den Beitrag (Audio-Datei) entsprechend überarbeitet.
